Politik : Einheitsfeiern: Einheitsruhe

Thomas Kröter

Muss das schön sein, in Oggersheim. Keine Spur von Einheitstrubel, meldet die deutsche Presseagentur. Aber warum sollte da auch Trubel sein? Richtig, Helmut Kohl wohnt da. Ist er da? Der Polizist vor seinem Haus sagt: "Weiß ich nicht." Das ist der Vorteil von Rentnern, sie können sich dünne machen. Sogar der Dicke. Hat seine Vorteile, wenn man nicht eingeladen ist zum großen Festakt in Dresden. Und in der Hauptstadt? Hunderttausende feiern, die Hotels fast komplett ausgebucht. Aber auch hier ist Oggersheim. Dafür ist die Metropole groß genug. Wer seinen Kiez nicht verlässt oder von seinem in den nächsten ohne Umweg über Mitte fährt oder zum Beispiel am Bahnhof Friedrichstraße aussteigt - der erlebt keine Spur von Einheitstrubel. Da kann es ein Vorteil sein, dass die Korrespondenten nicht Unter den Linden, sondern wirklich dahinter residieren. Zwei Steinwürfe oder drei ist das Haus der Bundespressekonferenz vom Brandenburger Tor entfernt - so nahe also sind wir dran am Trubel.

Und was ist davon zu hören oder zu sehen auf dieser Seite des Spreebogens? Nichts. Eine Oase. Da kann man in Ruhe die Einladungen für die nächste Woche sortieren. Wie immer wandern die meisten in den Papierkorb. Was zum Beispiel will mir die Region Ostwürttemberg? Weg dam... Halt! "Klöster als Ruhe- und Energiepol für Führungskräfte" offeriert sie mir "mit Begleitung". Im Kloster mit Begleitung - auch was Neues. Muss ja nicht für immer sein oder auch nicht Oggersheim. Oder Mitte. Der Korrespondent auf der Suche nach Ruhe. Der nächste Sturm kommt bestimmt. In unserem Wasserglas.

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