Politik : Einsatz

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Eigentlich haben unsichere Zeiten auch ihr Gutes. Wo die Zukunft nicht mehr voraussagbar ist, wo es bei Rente/Gesundheit/Bildung in unserer Republik nicht mehr richtig klappt, wo alle schwarz malen und depressiv in dürftig geheizten Stuben ausharren: Müsste da nicht die Lust wachsen, zu wetten? Gibt es eine Korrelation zwischen Prognose-Unsicherheit und Wettbereitschaft? Wenn ja, dann hätte das Wettwesen unter Breschnjew seinen Tiefpunkt erleben müssen. Worauf sollte man damals wetten? War doch alles vorbestimmt! Heute aber, bei so viel Unsicherheit, müsste den wagemutigen Einsetzern Tür und Tor offen stehen. Sehen wir also mal nach, ob die Politik auf die kollektive Zukunftsangst reagiert, indem sie spekuliert – statt gestaltet. Wir wissen, dass Wolfgang Kubicki gerade eine Wette verloren hat. Der Kieler FDP-Fraktionschef und Möllemann-Intimus hatte sich beim Wahlergebnis seiner Partei ein wenig vertan. Nun musste er in roter Fliege vor den Landtag treten und einen roten Fliegenträger loben, seinen Wettgegner und SPD-Bildungsstaatssekretär. Der Kanzler hat übrigens auch gerade gewettet. Fünf Euro auf die Dauer des EU-Gipfels von Kopenhagen. Okay, das sind Peanuts. Vom Kanzler wären in Krisenzeiten eher Großwetten zu erwarten. „Die SPD verzichtet 16 Jahre lang freiwillig auf die Macht im Bund, wenn die Arbeitslosigkeit zum 1.1.2004 nicht unter drei Millionen liegt.“ So etwa. Vielleicht sieht in unsicheren Zeiten die Korrelation zwischen Zukunftsangst und Wettbereitschaft so aus, wie es der Vizekanzler formuliert. Von Joschka Fischer kam nämlich jetzt ein unsterblicher Satz. Auch aus Kopenhagen. „Ich wette nur, wenn ich auch gewinne!“

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