Politik : Einsichten

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Zu den Genießern des warmen Berlins gehören auch Amerikaner. Die „Congressional Study Group“ war gerade in der Stadt, und eine zweite Gruppe ist nun eingetroffen – „Staffer“, Mitarbeiter der Kongress-Abgeordneten. Dieter Spöri, der Stuttgarter Ex-Minister, der jetzt die hauptstädtischen Geschicke von DaimlerChrysler lenkt, appellierte eindringlich an die US-Politiker, bloß nicht zuzulassen, dass der Irak-Zwist sich ins Ökonomische verlängert. Die Gefahr droht – nicht nur symbolisch. Symbolisch hat die Kongress-Kantine ihre Pommes in „Freiheits-“ statt „Frankreich-“Fritten umbenannt, aber höchst real ist der Absatz von Wein aus dem Land des Kriegsgegners Chirac um 30 Prozent zurückgegangen. Wir Deutschen leben, was die US-Wahrnehmung angeht, im Schatten der Franzosen, die eindeutig unbeliebter sind. Dennoch erzählen nun die Staffer, dass ihre Kollegen daheim schon die Nase rümpften, als sie von den Reiseplänen erfuhren. Was, nach Deutschland? Dorthin fahrt ihr?

Wobei es gar nicht der Irak-Krieg ist, der den Amerikanern unter den Nägeln brennt. Wenn man sich mit ihnen zusammensetzt, dann sind es ganz andere Themen, die dominieren. Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft. Dass sich die Reformdebatte hierzulande mit dem Begriff „Agenda 2010“ verbindet, dass Gerhard Schröder heftig kämpfen muss, um seine Partei auf Kurs zu bringen: Das hat man in den USA wegen des Krieges kaum mitbekommen. Erstaunt vernehmen die Amerikaner nun, dass der Kanzler ins Wackeln geraten könnte, weil den Seinen die Reformen zu weit gehen. Ach, sagen sie. Schröder ist nicht in Gefahr, weil er zu wenig, sondern weil er zu viel will? Seltsames Deutschland!

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