Politik : Eklat nach Äußerungen von Roms Bürgermeister in Israel

Paul Kreiner

Rom - Es geschah auf einer Pilgerfahrt. Fünf Dutzend italienische Parlamentarier und andere Politiker waren unter bischöflichem Geleit ins Heilige Land gezogen, wo sie am Wochenende auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchten. Unter ihnen der Bürgermeister von Rom, Gianni Alemanno, der als Vertreter der postfaschistischen „Nationalen Allianz“ (AN) unter besonderer Beobachtung stand – und prompt einen Eklat provozierte. „Ich bin nicht der Meinung und war es auch nie, dass der Faschismus das absolute Böse sei; er war ein komplexeres Phänomen“, sagte er. „Viele haben sich dem Faschismus in gutem Glauben angeschlossen, ich will sie nicht mit so einer Definition abstempeln“, fuhr Alemanno fort. Absolut böse indes seien „die vom Faschismus gewollten Rassengesetze“ gewesen: „Sie gehörten anfangs gar nicht zur Partitur des Faschismus; sie waren ein Nachgeben gegenüber den Nazis. Und sie haben das politische und kulturelle Ende des Faschismus heraufgeführt.“ Italien ist entsetzt.

Gianni Alemanno habe sein altes politisches Denken in keiner Weise abgelegt, wettern die Linken; es sei „verrückt, Unterscheidungen zwischen einem ,guten‘ und einem ,bösen‘ Faschismus zu treffen“. Alemannos Vorgänger im Bürgermeisteramt, Walter Veltroni, spricht von einer „Beleidigung Roms“. Alemanno selbst will nichts zurücknehmen. Bei der Gedenkfeier zum Waffenstillstand, der eineinhalb Monate nach Absetzung Mussolinis am 8. September 1943 verkündet worden war, sagte er am Montag lediglich, er verurteile „ohne Zögern die freiheitsmörderische und antidemokratische Entwicklung jenes Regimes“. Paul Kreiner

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