Politik : Elf-Affäre: Sirven stimmt Auslieferung nach Paris zu

Der ehemalige Elf-Aquitaine-Manager Alfred Sirven hat am Samstag vor dem Haftrichter in Frankfurt (Main) seiner umgehenden Überstellung nach Frankreich zugestimmt. Das teilte das französische Justizministerium in Paris mit. Sirven war am Mittag im Frankfurter Amtsgericht einem deutschen Haftrichter Richter vorgeführt worden. Der 74-jährige war am frühen Morgen bei seiner Ankunft auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen in Gewahrsam genommen worden. Sirven war am Freitag nach fast vierjähriger Flucht auf den Philippinen festgenommen worden. Interpol hatte den Ex-Finanzjongleur südlich von Manila aufgespürt.

Ursprünglich sollte Sirven in Begleitung französischer Polizisten direkt nach Paris weiterfliegen. Die überraschende Festnahme in Frankfurt verzögerte dies jedoch. Nach Angaben des Bundesgrenzschutzes wurde Sirven direkt nach der Landung aus Manila festgenommen. Am Mittag wurde er ins Frankfurter Amtsgericht gebracht, wo er dem Haftrichter vorgeführt weren sollte. Wann über eine Auslieferung nach Frankreich entschieden werde, sei noch völlig unklar, sagte ein Sprecher des Bundesgrenzschutzes. Von der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft waren zunächst keine Informationen zu erhalten.

Ohne Zustimmung Sirvens zu einer beschleunigten Überstellung würde sich die Auslieferung um mehrere Tage oder gar Monate verzögern, gaben Justizvertreter an. Sirven gilt als Schlüsselfigur in mehreren Schmiergeldskandalen um den ehemals staatlichen französischen Ölkonzern Elf-Aquitaine.

Sirven war am Freitag nach mehreren Jahren auf der Flucht auf den Philippinen gefasst worden. Er wurde in Zusammenhang mit Schmiergeldvorwürfen mit internationalem Haftbefehl gesucht. In Frankreich wird ihm derzeit in Abwesenheit der Prozess gemacht. Sirven, der an Bord einer Lufthansa-Maschine ausgeflogen wurde, sollte von Frankfurt aus unverzüglich mit einem Flugzeug der französischen Luftwaffe nach Paris gebracht werden. Dort sollte er nach Angaben aus französischen Justizkreisen am Montag zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfe befragt werden. In einem Interview kündigte Sirven an, er werde niemanden verraten.

Der ehemalige zweite Mann an der Spitze des Konzerns Elf-Aquitaine - heute TotalFinaElf - wurde in Zusammenhang mit Vorwürfen gesucht, über Schweizer Konten seien Elf-Schmiergelder in Millionenhöhe geflossen. Wegen der Korruptionsaffäre um den Elf-Konzern - einer der größten in der Geschichte Frankreichs - steht derzeit auch Ex-Außenminister Roland Dumas vor Gericht. Vermutete Schmiergeldzahlungen des Elf-Konzerns spielen auch in der CDU-Spendenaffäre eine Rolle. Wiederholt war der Vorwurf erhoben worden, Elf habe beim Kauf der ostdeutschen Leuna-Werke in den 90er-Jahren Bestechungsgelder gezahlt. Vertreter der früheren christlich-liberalen Regierung hatten diesen Vorwurf zurückgewiesen.

Sirven sagte nach seiner Festnahme, die Berichte über ihn seien Unsinn und eine Erfindung französischer Journalisten. In einem kurz vor seinem Abflug aus Manila geführten Interview der Zeitung "Le Parisien" bezeichnete er sich erneut als unschuldig. Er schwöre beim Leben seiner Enkel, dass alles, was über ihn gesagt worden sei, unwahr sei, sagte Sirven. Er wolle all diejenigen schützen, die ihm geholfen hätten. "Ich werde nichts sagen. Ich bleibe ein freier Mann. Selbst im Gefängnis werde ich ein freier Mann bleiben." Seine Arbeit bei Elf sei mit Politik durchmischt gewesen. Das sei niemals gut. "Ich könnte über 100 Namen herausgeben... aber das interessiert mich nicht", sagte Sirven.

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