Elterngeld : Väter sollen mehr tun

Ministerin Leyen will stärker in die Erziehungszeit einbeziehen. Auch die CSU ist jetzt begeistert.

Andrea Dernbach[Tissy Bruns],Armin Lehmann

BerlinBundesfamilienministerin Ursula von der Leyen will Väter dazu bewegen, länger in ihrem Beruf auszusetzen. Das Elterngeld solle nur noch dann voll ausgezahlt werden, wenn die Väter länger als zwei Monate zu Hause bleiben, sagte die CDU-Politikerin dem "Spiegel". Anscheinend muss die Ministerin diesmal auch nicht mit Widerstand aus der CSU rechnen. Bayerische Spitzenpolitiker begrüßten im Tagesspiegel am Sonntag ihre Initiative.

Derzeit wird das Elterngeld 14 Monate lang unter der Voraussetzung gewährt, dass sich auch der andere Elternteil – meist der Vater – mindestens zwei Monate um das Kind kümmert und den Beruf so lange teilweise oder ganz aufgibt. Mit ihrer Initiative wolle sie den Vätern den Rücken stärken, sagte die Ministerin. Zwei Drittel von ihnen wünschten sich, der Erzieher und nicht nur der Ernährer ihres Kindes zu sein. "Aber 80 Prozent fürchten, dass sie mit Hohn und Spott übergossen werden, wenn sie für ein paar Monate zu Hause bleiben wollen", erklärte von der Leyen. "In der nächsten Legislatur wird die Zeit reif sein, die Väterkomponente auszuweiten." Wie viele Vätermonate es dann geben soll, ließ sie offen. Nach Berechnungen ihres Ministeriums haben die Geburten in Deutschland 2007 stark zugenommen. Erstmals seit Jahren sei kein Rückgang, sondern die höchste Geburtenrate seit der Einheit 1990 zu verzeichnen.

Die SPD zeigte sich offen für weitere Vätermonate. Generalsekretär Hubertus Heil äußerte sich jedoch skeptisch, ob die Ministerin dafür das eigene Lager hinter sich habe. "Zuvor müsste Frau von der Leyen aber mit ihren eigenen Kollegen in CDU und CSU reden, die schon die bisherige Regelung als Wickelvolontariat diffamieren", sagte er dem Tagesspiegel am Sonntag.

Das Problem scheint allerdings beseitigt. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel zeigte sich CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer einverstanden mit Leyens Plänen und verwies dabei auf den Erfolg der Väterzeit unter bayerischen Männern: "Für die nächste Legislaturperiode wäre diese Überlegung ohnehin fällig gewesen, schließlich haben die Partnermonate am allerbesten in Bayern eingeschlagen." CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer sagte, Vätermonate seien "ein absolutes Erfolgsmodell der Union, das wir fortsetzen und ausbauen müssen. Deswegen brauchen wir eine deutliche Ausweitung der Vätermonate in der nächsten Legislaturperiode. Moderne Familienpolitik heißt auch, dass Väter und Mütter mehr Zeit mit ihren ganz kleinen Kindern verbringen können."

Johannes Singhammer (CSU), der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, nannte den Vorschlag "hervorragend". Die CSU sei immer schon für eine Verlängerung des Elterngeldes gewesen. "Inzwischen liegt es glücklicherweise geradezu im Trend, dass Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Ich finde es prima, wenn wir das mit mehr Partnermonaten unterstützen können."

Vor zwei Jahren hatte von der Leyen das Elterngeld noch in einer hochemotionalen Debatte gegen Widerstand aus den eigenen Reihen durchsetzen müssen. Dies zeige, dass der Weg der Bundesregierung richtig sei. Vor allem konservative Unionsmänner warfen ihr vor, sie missachte die Freiheit der Eltern und wolle Väter und Mütter zur gemeinsamen Kindererziehung zwingen. Ramsauer prägte seinerzeit den Begriff vom "Wickelvolontariat" für Väter, das man „nicht unbedingt“ brauche. Er und die Unionsfraktion trugen das Konzept aber schließlich mit, nachdem von der Leyen es verändert hatte: Statt die vollen zwölf Monate von einem Väteranteil abhängig zu machen, wurde die Elternzeit auf 14 Monate verlängert; von diesen gehen nun mindestens zwei an die Väter.

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