Erster Auftritt nach Freilassung : Chodorkowski: „Kampf um Macht ist nicht mein Ding“

Michail Chodorkowski wollte sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Freilassung vor allem bedanken: bei der Familie, den Freunden und vor allem bei Genscher. Ein paar Pläne hat er aber auch schon - vor allem davon, was er nicht machen will.

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Alle Blicke sind auf ihn gerichtet: Michail Chodorkowski im Mauermuseum in Berlin bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Freilassung.
Alle Blicke sind auf ihn gerichtet: Michail Chodorkowski im Mauermuseum in Berlin bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach...Foto: dpa

Berlin - Zwei Tage nach seiner Freilassung aus einem Straflager hat sich der einstige Kremlkritiker und Ölmilliardär Michail Chodorkowski erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Im Mauermuseum in Berlin gab er eine Pressekonferenz und skizzierte dabei, wie er sich seine persönliche Zukunft vorstellt, ohne jedoch schon konkret werden zu können.

Grundsätzlich sagte er aber, dass er weder in die russische Politik gehen wolle, noch zurück ins Geschäftsleben. „Der Kampf um die Macht ist nicht mein Ding“, sagte der 50-Jährige, der zehn Jahre im russischen Gefängnis saß. Er kündigte aber an, sich gesellschaftlich engagieren zu wollen. Vor allem wolle er sich für andere Inhaftierte einsetzen. „Ich bin nicht der letzte politische Gefangene in Russland.“ Er werde in dieser Hinsicht alles tun, was in seinen Kräften stehe. In diesem Zusammenhang forderte er auch die Freilassung der in der Ukraine inhaftierten Julia Timoschenko.

Chodorkowski bedankte sich bei seiner Familie, Freunden und Geschäftspartnern für die Unterstützung in den vergangenen zehn Jahren. Besonderen Dank richtete er an den früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ohne den Einsatz Merkels und die „Anstrengungen“ Genschers wäre er nicht in Freiheit, sagte Chodorkowski am Sonntag. Mitte November habe er über seine Anwälte von der Möglichkeit einer Freilassung erfahren. Diese hätten ihm mitgeteilt, dass Genscher mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen habe, und Putin ein Schuldbekenntnis nicht zur Bedingung machte. Er könne stattdessen „ein Gnadengesuch ohne Schuldeingeständnis schreiben“. Von seiner Freilassung habe er dann nachts um zwei Uhr, und wo seine Reise hingehen würde, habe er erst im Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland erfahren.

Noch wisse er nicht, wo er demnächst leben wolle. Für Deutschland habe er ein Visum für ein Jahr. Nach Russland werde er kurzfristig nicht zurückkehren, da ihm wegen einer noch anhängigen Millionenklage ein erneutes Ausreiseverbot drohe. Ins Geschäftsleben will Chodorkowski nicht zurück. „Zum Broterwerb ist das nicht notwendig“, sagte er. Wie viel von seinem Vermögen noch übrig sei, wisse er aber selbst nicht so genau. Er hatte mit dem Ölkonzern Jukos ein Vermögen gemacht und sich dabei auch als Kremlkritiker einen Namen gemacht. 2003 wurde er verhaftet und später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt. Die Prozesse gegen den einst reichsten Mann Russlands wurden international als politisch motiviert kritisiert. Der Konzern Jukos ist mittlerweile zerschlagen.

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