"Erzwungene Wege" : Kritik an Vertriebenen-Ausstellung

Polens Ex-Außenminister Wladyslaw Bartoszewski hat deutliche Kritik an der Berliner Vertriebenen-Ausstellung "Erzwungene Wege" geäußert. Die Schau war am vergangenen Donnerstag eröffnet worden.

Berlin - Bartoszewski sagte, er lehne die Ausstellung "aus politischen Gründen" ab. Auf harsche Kritik stößt die Ausstellung über Vertreibungen und Völkermord im Europa des 20. Jahrhunderts auch in den polnischen Medien.

Mit Blick auf die deutsch-polnischen Beziehungen kritisierte Bartoszewski die vom Bund der Vertriebenen (BdV) organisierte Schau als "Aktion, die den Horizont vernebelt". Er warf BdV-Präsidentin Erika Steinbach vor, seit Anfang der neunziger Jahre "antipolnische Politik" betrieben zu haben. "Die Sache mit Frau Steinbach wird auf die deutsch-polnischen Beziehungen belastend wirken", sagte er. Steinbach sei "keine harmlose deutsche Frau", sondern eine einflussreiche Politikerin.

Steinbach verfolgt seit Jahren Pläne, in Berlin ein Zentrum gegen Vertreibungen aufzubauen. Polen lehnt ein solches Zentrum ab, da man dadurch eine Relativierung der Nazi-Verbrechen befürchtet. Die Ausstellung wird vom BdV als erster Schritt zur Errichtung dieses Zentrums angesehen.

Der Deutschland-Korrespondent der polnischen Tageszeitung "Rzeczpospolita", Piotr Jendroszczyk, sagte, in seinem Heimatland werde die Vertriebenen-Ausstellung als "Relativierung der Geschichte" empfunden. Nahezu alle polnischen Politiker lehnten die Schau allein deshalb "vehement" ab, weil sie von Steinbach organisiert sei.

Dies ist nach Angaben von Jendroszczyk auch der Tenor in den polnischen Medien. Inhaltlich werde kritisiert, dass etwa der Völkermord an den Armeniern nicht mit Nazi-Verbrechen in Polen verglichen werden dürfe. Zudem werde moniert, dass die Schau die Westverschiebung Polens nicht als Ursache der Vertreibungen der Deutschen darstelle.

Jendroszczyk betonte, dass die Beziehungen zwischen den Nachbarländern so lange belastet bleiben würden, wie Steinbach an dem Vertriebenenzentrum festhalte. Erschwerend kommt seiner Meinung nach hinzu, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Steinbach in ihrem Vorhaben unterstütze. (tso/ddp)

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