Politik : Es geschieht am helllichten Tage

Immer mehr Attentate auf Korsika belasten auch die Wirtschaft der Insel

Sabine Heimgärtner[Paris]

Auf Korsika geht wieder die Angst um. Nachdem sich die explosive Situation mit täglichen Anschlägen in der ersten Jahreshälfte beruhigte und die französische Regierung Hoffnung geschöpft hatte, dass die Mittelmeerinsel ein berechen- und regierbarer Landesteil werden könnte, stehen Attentate und nationalistische Störmanöver gegen Paris wieder auf der Tagesordnung. Zur Beruhigung kann auch Frankreichs Justizminister Dominique Perben allenfalls durch gut klingende Pläne zur besseren Sicherung öffentlicher Gebäude beitragen. Dies demonstriert sein Besuch auf der „Insel der Schönheit“, wie die Franzosen Korsika nennen.

Erst einmal sprechen die Fakten: 100 Kilo Sprengstoff, die in den letzten Tagen auf dem Flughafen Ajaccio entdeckt wurden und eine beispiellose Schießerei am helllichten Tag vor dem Justizpalast in der Hauptstadt Bastia, bei der wie durch ein Wunder niemand verletzt wurde. Auch die Touristen blieben verschont, die den Showdown aus nächster Nähe in einem Straßencafé beobachteten. Am Dienstag wurde dann ein Sprengsatz vor einem Gefängnis in Bastia gefunden, das vor einer Woche bei einem Bombenanschlag schwer beschädigt worden war. Seit Anfang Juli, als eine Bürgerbefragung für mehr Unabhängigkeit Korsikas scheiterte , ist kein Tag ohne ein Attentat vergangen. Sie richten sich überwiegend gegen Symbole der französischen Staatsmacht, finden allerdings auch immer häufiger mitten in touristischen Zentren statt.

„Meine Familie lebt nicht mehr wie früher", bekannte der Gerichtspräsident in Ajaccio, Dominique Ferrière, der Ende Juli selbst zum ersten Mal beinahe Opfer eines Anschlags geworden wäre. „Korsika erlebt neuerdings das Phänomen einer ständigen kollektiven Angst."

Die dauernden Negativschlagzeilen über die bei europäischen Urlaubern so beliebte Insel haben unterdessen zu einem Rückgang der Einkünfte aus dem Tourismus um 15 Prozent geführt. Auch die Versicherungsunternehmen sind kaum mehr bereit, die zahlreichen Zweitwohnsitze von Festland-Franzosen auf der Insel ausreichend zu versichern. Die Folge: Die wirtschaftliche Lage Korsikas hat sich zu Lasten der großen Mehrheit der Bevölkerung, die weiter zu Frankreich gehören will, dramatisch verschlechtert.

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