Politik : Es lebe die Vielfalt!

Gerd Appenzeller

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ins Gelingen müsse man verliebt sein, nicht ins Scheitern, hat Ernst Bloch einmal formuliert, und es wird Zeit, dass die Deutschen dieses „Prinzip Hoffnung“ endlich beherzigen. Es muss ein Ende haben mit dem Pessimismus und den Depressionen. Wir müssen die Häme unserer Nachbarn abschütteln wie ein Hund das Regenwasser. Wir seien nicht in der Lage, leere Bierdosen ordentlich zu verwalten und scheiterten an der Einrichtung eines zentralen Sammellagers für inhaltsfreie Hohlkörper? Uns gingen die Lastwagen auf der Autobahn verloren, weil das von Daimler-Chrysler entwickelte, hochintelligente Mautsystem nur in der Lage sei, Primzahlen zu addieren und deshalb immer Strecken zwischen Sindelfingen und der Mondrückseite berechnet würde? Besinnen wir uns also auf unsere traditionellen Stärken. Die stärkste dieser Stärken ist das Planen. Stolz können wir vermelden, dass internationale Wissenschaftler uns gerade wieder unsere führende Position bestätigt haben.

Wir sind bildungspolitisch Weltspitze. Mehr Lehrpläne und Stundentafeln als in Deutschland gibt es in keinem Land der Welt. Wir haben auf diesem Gebiet in den einzelnen Bundesländern eine solche Pluralität entwickelt, dass von einem einheitlichen deutschen Bildungssystem nicht mehr gesprochen werden könne. Wenn das kein Triumph ist! Das führt uns wieder zum Anfang. Wahrscheinlich war es ein Fehler, ein bundeseinheitliches Mautsystem und dann noch ein identisches Pfandsystem für das ganze Land einführen zu wollen. Wir plädieren auch hier für Föderalismus. Wir wollen 16 Maut- und 16 Pfandsysteme! In der Vielfalt liegt die Kraft!

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