Politik : Eta-Anschlag: 14 Verletzte in Madrid

Ralph Schulze

Die baskische Terror-Organisation Eta hat kurz vor der wichtigen Regionalwahl im spanischen Baskenland eine schwere Autobombe in der Hauptstadt Madrid gezündet. Bei dem Sprengstoffanschlag in der Nacht zum Samstag im Zentrum Madrids wurden 14 Menschen verletzt. Wie durch ein Wunder gab es bei der Explosion kurz nach Mitternacht keine Toten, obwohl auf der Straße, in der viele Bars, Restaurants und Diskotheken liegen, Hunderte von Menschen unterwegs waren. Erst am vergangenen Wochenende hatten die Terroristen den Parteichef der Konservativen der nordspanischen Region Aragon erschossen.

Die pessimistischen Vorhersagen der Sicherheitsexperten erfüllten sich gut 36 Stunden vor dem Beginn der Baskenwahl, in der erstmals in der Geschichte die pro-spanischen Parteien die Chance haben, die baskischen Nationalisten von der Macht zu verdrängen. Die Eta, die mit Gewalt für die Abspaltung des Baskenlandes von Spanien kämpft, wollte offenbar vor dieser alles entscheidenden Abstimmung noch einmal ein blutiges Zeichen setzen. Deswegen sind Spaniens Sicherheitskräfte seit Tagen in Alarmzustand, doch sie konnten den jüngsten Bombenanschlag nicht verhindern.

Dieses Mal hatte die Eta auch kein Interesse, zivile Opfer zu vermeiden. Die Bombe auf der berühmten Einkaufs- und Ausgehmeile Calle de Goya ging nur acht Minuten nach einer telefonischen Ankündigung hoch. Die Polizei hatte keine Zeit, den von den Terroristen angegebenen Explosionsort zu räumen. Das Bombenfahrzeug, das mit 30 bis 40 Kilo Dynamit beladen war, explodierte vor einer Filiale der spanischen Großbank BBVA. Deren Wachmann wurde schwer verletzt, die übrigen Opfer sind Passanten, meist junge Nachtschwärmer, die von dem Splitterregen der Bombe getroffen wurden. An Dutzenden Autos und einer Handvoll Gebäude entstand schwerer Sachschaden.

Das Geschäfts- und Büroviertel Salamanca ist eines der bestbewachtesten Stadtviertel Spaniens. Einmal mehr beweist die Eta, dass sie überall und jederzeit zuschlagen kann. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Terroristen sich am heutigen Wahltag oder nach der Verkündung der Ergebnisse Anfang der Woche erneut mit einer Gewalttat melden. Allen Umfragen zufolge könnte der prospanische Parteienblock im Baskenland heute erstmals die Macht erobern. Die "Espanolisten"-Bewegung setzt sich aus der in Spanien regierenden konservativen Volkspartei (PP) und den Sozialisten (PSE) zusammen.

Spitzenkandidat dieser spanienfreundlichen Front ist der früherer spanische Innenminister Jaime Mayor Oreja. Ihnen gegenüber steht ein Block aus baskischen Nationalisten (PNV/EA) und Separatisten (EH), die mit ihrem Unabhängigkeitskurs für das Baskenland gescheitert waren und Neuwahl einberufen mußten. Das nationalistisch-separatistische Lager wird vom bisherigen baskischen Regierungschef Juan Jose Ibarretxe angeführt.

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