Politik : ETA - Terror: Autobomben töten in Spanien fünf Menschen

Johannes Claussen

Eine Welle neuer Bombenanschläge erschüttert Spanien. Im baskischen Ort Zumaia kam gestern Mittag der Präsident der Arbeitgebervereinigung der Provinz Guipuzcoa, der 52-jährige Jose Maria Korta, durch einen Sprengsatz ums Leben. Als er seinen Wagen auf dem Gelände seiner eigenen Firma parkte, explodierte eine ferngezündete Bombe in einem benachbarten Fahrzeug. Gegen Abend detonierte eine weitere Autobombe im Norden der Hauptstadt Madrid und verletzte elf Personen, eine davon schwer. Ein anderer Sprengsatz konnte entschärft werden. In der gehobenen Wohngegend leben mehrere Politiker mit ihren Familien.

In der Nacht zum Dienstag starben in der baskischen Stadt Bilbao vier Eta-Terroristen durch ihre eigene Autobombe. Die Gewalttäter steuerten den präparierten Renault möglicherweise gerade zu einem Attentatsziel, als der Sprengsatz detonierte. Zwei Leichen konnten identifiziert werden, darunter der 39-jährige Patxi Rementeria, dem 18 Attentate angelastet werden und der als Drahtzieher der Ermordung des Stadtrats Miguel Angel Blanco galt, die vor drei Jahren die größte Protestwelle gegen die Eta in Spanien ausgelöst hatte.

Die Sommeroffensive der Eta ist eine der schwersten seit über zehn Jahren. Jeder Ort in Spanien kann getroffen werden, alle Berufsgruppen sind im Fadenkreuz. Mit den jüngsten Opfern sind seit dem Ende des einseitigen Waffenstillstands am 3. Dezember 1999 zwölf Menschen durch den Terror ums Leben gekommen.

Vieles deutet darauf hin, dass die baskischen Separatisten zu der Strategie des breiten Terrors aus den 80er Jahren zurückkehren. Damals zündeten sie Bomben in Kaufhäusern und Supermärkten, um eine Stimmung zu erzeugen, in der die Bevölkerung von der Regierung Zugeständnisse an die Gewalttäter zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung verlangen sollte.

Heute geht es der Eta vor allem um eine Polarisierung der baskischen Gesellschaft. Das radikale Lager soll politisch gestärkt und eine neue gemäßigte Landesregierung der baskischen Nationalpartei (PNV) mit den baskischen Sozialisten (PSE) verhindert werden. Die Terroristen hatten den Waffenstillstand im Sommer 1998 nur gegen Zugeständnisse der PNV ausgerufen, im Rahmen eines breiten nationalistischen Forums die Loslösung von Spanien und Frankreich voranzutreiben und überregionale "gesamtbaskische" Institutionen aufzubauen. Diese Strategie scheiterte an dem straffen Widerstand aus Madrid und Paris sowie an den Realitäten in der Region, wo nur eine Minderheit den Separationskurs unterstützt.

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