Politik : Etappensieg für den Gegner des Königs

Ralf Hübner

Der sächsische CDU-Landeschef Georg Milbradt ist seinem Ziel, Ministerpräsident zu werden, ein großes Stück näher gekommen. Ein Sonderparteitag der Landes-CDU wählte Milbradt gestern in Dresden mit 71 Prozent Zustimmung zum Nachfolger von Kurt Biedenkopf. Das letzte Wort hat nun die Landtagsfraktion, die Milbradt bei der Ministerpräsidenten-Wahl am 18. April zu einer Mehrheit verhelfen muss.

Die Anerkennung für Biedenkopf auf dem Parteitag hielt sich in Grenzen, die Gratulation für Milbradt fiel protokollarisch kurz aus. Dessen Bewerbungsrede hatte der noch amtierende Ministerpräsident mit demonstrativer Gelassenheit verfolgt, die Mundwinkel heruntergezogen, die Arme vor der Brust verschränkt. An der Abneigung gegen seinen ehemaligen Finanzminister hat sich nichts geändert. Immerhin vermied es Biedenkopf, noch einmal selbst in das Gefecht um seine Nachfolge einzugreifen. Das besorgte für ihn der 44-jährige Zwickauer Oberbürgermeister Dietmar Vettermann, der vor einer Woche überraschend seinen Hut in den Ring geworfen hatte.

Doch es war ein ungleiches Gefecht. Dort Milbradt, der CDU-Landeschef mit seiner zehnjährigen Erfahrung als Finanzminister, der zwar nicht mitzureißen vermochte, aber die Mehrheit der Delegierten auf seiner Seite wusste. Kontinuität und Aufbruch waren die Stichworte, und beides sei eben er. Da hatte der Kommunalpolitiker Vettermann einen schweren Stand, der erst einmal erklären musste, warum er überhaupt als Kandidat auf der Bühne stand, indem er seinen Vorwurf gegen Milbradt wiederholte, am unfreiwilligen Rücktritt Biedenkopfs Schuld zu haben, um sich dann in Einzelheiten der Landespolitik zu verheddern. Dabei musste sich der wegen seiner früheren Sparpolitik einst so gelobte Milbradt gerade deswegen Kritik anhören. Es mache keinen Sinn zu sparen, um Rot-Rot hinterher eine gefüllte Kasse zu hinterlassen, sagte Vettermann.

Mit einem Sieg Vettermanns rechnete ohnehin niemand. Was zählte, war einzig das Wahlergebnis, und das sorgte im Milbradt-Lager für Erleichterung. "Der eine Prozentpunkt, der war wichtig", atmete eine Delegierte auf, was darauf deutet, dass es bei einem Ergebnis unter 70 Prozent für Milbradt noch einmal hätte schwierig werden können. Denn, das war die stille Hoffnung seiner Gegner, dann hätte ein Alternativkandidat wie Finanzminister Thomas de Maizière auf den Schild gehoben werden können. Doch dafür sieht jetzt selbst CDU-Fraktionschef Fritz Hähle, ein Gegner Milbradts, keinen Grund mehr. Ein weiterer Kandidat ließe sich nach diesem Ergebnis nicht mehr begründen, sagt Hähle.

Die CDU-Fraktion aber ist eine Unbekannte, die sich in der Vergangenheit schon oft als unberechenbar erwiesen hat. Den Schutz der Abstimmungskabine haben Abgeordnete immer wieder genutzt, um ihrem Unmut zu bekunden. Eine Parteitags-Mehrheit von 71 Prozent sei in der Fraktion nicht ausreichend, sagt Hähle, so, als sei er dann doch nicht überzeugt, dass Milbradt schon alle Hürden genommen haben könnte. Der mag daran aber gar nicht erst denken. Die Fraktion werde die Parteitags-Entscheidung mittragen, sagt Milbradt, und spricht schon mal vom Ende der Personaldebatten in Sachsens CDU und von einem großen Schlussstrich.

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