Politik : EU-Erweiterung: Der Musterknabe

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Im Vergleich zu ihren Nachbarn haben die Ungarn die größten Schritte auf dem Weg in die Union zurückgelegt. Nach 1989 wurden strenge Konkursbestimmungen eingeführt, heute sind Industrie und Banken so gut wie vollständig privatisiert. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt mit rund 6600 Mark (3343 Euro) aber weit unter dem EU-Durchschnitt. Die Regierung bemüht sich, die Inflationsrate weiter zu senken: Für das Jahr 2000 sind sieben bis acht Prozent prognostiziert. Auch der Fehlbetrag im Staatshaushalt soll soweit vermindert werden, dass die Kriterien von Maastricht in den kommenden Jahren erfüllt werden können. Bereits jetzt wickelt Ungarn 80 Prozent seines Außenhandels mit EU-Ländern ab. Die Ungarn genießen zwar kontinuierliches Wachstum und eine niedrige Inflation, doch gibt es nach wie vor ein starkes regionales Wirtschaftsgefälle zwischen der Hauptstadt Budapest und dem Westen einerseits und dem ärmeren Osten und Süden mit hoher Arbeitslosigkeit andererseits.

Die Landwirtschaft in Ungarn ist nach EU-Kriterien sehr weit entwickelt, doch das birgt auch die Gefahr, dass man sich zurücklehnt: Die immer noch nötigen Verbesserungen kommen in letzter Zeit nur schleppend voran. Beim Umweltschutz hinkt Ungarn den EU-Normen hinterher. Probleme macht dem Land außerdem die in Verzug geratene Modernisierung der Eisenbahn und des Straßennetzes. Der Korruption im Justiz- und Behördenapparat haben die Magyaren in den vergangenen Jahren massiv den Kampf angesagt, bislang reicht es aber nur zu einem Teilerfolg.

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