Politik : EU-Kandidaten: "Alt-Bundeskanzler will die Türkei teilen"

Thomas Seibert

Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit hat mit heftiger Kritik auf die Äußerungen reagiert, die Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt im Tagesspiegel zu den Europa-Perspektiven der Türkei gemacht hat. Schmidts Ablehnung der türkischen EU-Kandidatur und das Eintreten des Alt-Kanzlers für einen Kurdenstaat zeigten, dass der ehemalige deutsche Regierungschef eine Teilung der Türkei befürworte, sagte Ecevit nach türkischen Presseberichten vor der Parlamentsfraktion seiner Demokratischen Linkspartei (DSP) in Ankara. Die Tatsache, dass die EU-Staaten die "schmerzhaften" Äußerungen Schmidts unbeantwortet gelassen hätten, verdeutliche das Ausmaß der Schwierigkeiten für die Türkei bei der weiteren Annäherung an Europa, sagte Ecevit.

Schmidt hatte in einem Interview des Tagesspiegel gesagt, es sei ein schwerer Fehler gewesen, der Türkei beim EU-Gipfel von Helsinki im Dezember 1999 den Status eines Beitrittskandidaten zu gewähren. Der Alt-Kanzler hatte auch bedauert, dass die Kurden nach dem Ersten Weltkrieg keinen eigenen Staat erhalten hätten.

"Er ist kategorisch gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei und sagt sogar ganz offen, dass er die Türkei teilen will", sagte Ecevit. Er betonte aber, er sei zuversichtlich, dass sein Land die Ängste in Europa überwinden könne. Es gebe keinen Grund, warum die Europäer die Türken fürchten müssten, betonte Ecevit in einer offenbar auf die deutsche Geschichte gemünzten Bemerkung: "Wir haben der Menschheit noch nie Schaden zugefügt."

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