Politik : Euro: Der Chefökonom der DG-Bank über den Euro und das Referendum

Ein Nein der Dänen zum Euro sei,ramatisch

Michael Heise (44) ist Chefvolkswirt der DG-Bank mit Sitz in Frankfurt am Main.

Ein Nein der Dänen zum Euro sei undramatisch, sagen die Brüsseler Diplomaten. Stimmt das?

Rein von der wirtschaftlichen Bedeutung Dänemarks her ist es undramatisch. Aber es wird Ausstrahlungseffekte haben auf die Diskussion in Großbritannien und Schweden über die zukünftige EU-Politik. Insofern ist das Ergebnis schon sehr wichtig.

Hätte ein Nein nicht auch negative Auswirkungen auf andere Länder und würde es nicht die Erweiterungsgegner stärken?

Im Grundsatz ja. Es könnte der Eindruck entstehen, dass die erfolgreichen, leistungsstarken Volkswirtschaften nicht zum Euro-Klub dazugehören wollen, sondern eher die Schwachen, die sich davon Vorteile erhoffen. Dieses wird die Anti-Erweiterungsfraktion, soweit es eine gibt, stärken. Aber ich glaube nicht, dass dieses Argument sehr nachhaltig sein wird, denn die Erweiterungskandidaten machen erhebliche Entwicklungsfortschritte und werden in vieler Hinsicht rasch aufschließen.

Ist Dänemark ein Sonderfall oder würden die Deutschen auch gegen den Euro stimmen?

Das muss man wohl vermuten. Wenn man jetzt eine Umfrage machen würde und vor der Situation stünde, ihn noch mal einzuführen, würden viele Deutsche wohl nein sagen. Aber jetzt ist der Weg zurück politisch nicht mehr denkbar. Eine kritische Grundstimmung ist aber da, was auch mit dem Wertverlust des Euro gegenüber dem US-Dollar zu tun hat.

Hätte die Politik mehr aufklären müssen, um zu verhindern, dass es bei einer Schwäche zu dieser Grundstimmung kommt?

Mit Aufklärung hat das nichts zu tun. Das ist hinreichend getan worden. Auch in Dänemark zählen ja nicht die ökonomischen Argumente, die tausend Mal wiederholt worden sind und die ganz eindeutig für einen Beitritt Dänemarks sprechen, sondern emotionale Themen: Was wird langfristig aus der Europäischen Union, wie stark wird sie uns drangsalieren, wie stark wird unsere Autonomie eingeschränkt? Es wird viel über die politische Integration geredet, aber es gibt noch keine klare Konzeption, wie sie stattfinden wird. Deshalb gibt es Unsicherheit. Es ist versäumt worden, diese Diskussion frühzeitig zu führen und mit einem gemeinsamen Konzept mehr Sicherheit zu schaffen.

Beunruhigt das den Chefvolkswirt?

Ja. Es beunruhigt mich schon, weil diese Erkenntnis, dass wir keine klare Zielvorstellung über die politische Integration der Euro-Länder haben, auch im Ausland gegeben ist. Die Investoren beobachten ganz genau, mit wie viel Stimmen hier gesprochen wird und ob wir zumindest in Grundfragen und Prinzipien einen Konsens haben oder nicht. Das Erscheinungsbild der Euro-Region ist noch nicht das eines einheitlichen Wirtschafts- und Integrationsraums. Das ist für den Kurs des Euro sicher relevant.

Wie erklären Sie einem dänischen Kleinstverdiener, warum der Euro gut ist?

Die dänische Exportwirtschaft wird die Wechselkursrisiken los. Das hilft dem Export. Der Zins wird runtergehen, weil keiner mehr eine Abwertung befürchten muss. Und kosten tut das Ganze nicht besonders viel, weil Dänemark seine Zinsen sowieso immer an die der EZB anpassen muss.

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