Politik : Euro: EU gibt sich nach der dänischen Abstimmung gelassen

Die EU hat sich nach dem Nein der Dänen zum Euro in Schadensbegrenzung geübt. Beim Sonderrat der EU-Finanzminister am Freitag in Brüssel bekundeten Bundesfinanzminister Hans Eichel und sein französischer Kollege Laurent Fabius, dass sie keine negativen Auswirkungen auf die gemeinsame Währung erwarten. Eichel sagte, es sei nur zum Nachteil Dänemarks, wenn es außerhalb der Euro-Zone bleibe. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, bedauerte, dass die "dänische Bevölkerung sich selbst den Nutzen verweigert, den sie durch eine Beteiligung am Euro hätte haben können". Bei dem Referendum am Donnerstag hatten sich 53,1 Prozent der Wähler gegen die Einführung des Euros ausgesprochen, 46,9 Prozent waren dafür.

Der dänische Regierungschef Poul Nyrup Rasmussen bezeichnete das Votum als "Niederlage für mich, für uns, für Dänemark". Rasmussen übernahm die "volle Verantwortung" für die Niederlage. Sichtlich bewegt unterstrich der Regierungschef, mit der Entscheidung hätten "die Dänen Europa nicht den Rücken gekehrt". Die dänische Wirtschaftsministerin Marianne Jelved versicherte ihren EU-Kollegen in Brüssel, die Regierung in Kopenhagen werde die europäische Zusammenarbeit unverändert fortsetzen. Mit dem Referendum stimmte erstmals in der Geschichte der EU die Bevölkerung eines Mitgliedslandes direkt über die Einführung der Gemeinschaftswährung ab. Die internationalen Devisenmärkte reagierten nur mit leichten Verlusten des Euro.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi betonte nach der Verkündung des Ergebnisses des dänischen Votums, die Euro-Tür für Dänemark bleibe offen. Hinsichtlich der institutionellen Reformen, die beim EU-Gipfel in Nizza im Dezember unter Dach und Fach gebracht werden sollen, erwartete Eichel keine wesentlichen Schwierigkeiten infolge des Referendums. Er mahnte aber, die Rechte kleiner Mitgliedstaaten wie Dänemark zu respektieren.

Der Währungsunion, die das gemeinsame Bargeld Anfang 2002 einführt, gehören bislang elf EU-Staaten an. Mit Griechenland stößt am 1. Januar der zwölfte hinzu. In Großbritannien und Schweden sollen später Referenden über einen Beitritt stattfinden.

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