Politik : Euro: Verbraucherschützer wollen kostenlosen Währungsumtausch-Umtausch

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Wenige Monate vor der Einführung des Euro-Bargelds haben Handel und Verbraucherschützer der Bundesregierung Versäumnisse bei der Vorbereitung der Bürger vorgeworfen. Angesichts der Skepsis in der Bevölkerung müsse jetzt "massiv" über die neue Währung informiert werden, forderten der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) und die Verbraucherzentralen am Mittwoch in Berlin. Angaben des HDE zufolge lehnen derzeit 54,5 Prozent der Bundesbürger den Euro ab. Vielfach würden Zweifel daran geäußert, ob der Euro eine genauso stabile Währung sein könne wie die Mark.

Edda Müller vom Verband der Verbraucherzentralen lastete die Skepsis der Deutschen der rot-grünen Bundesregierung an. Die derzeit laufende Fernsehkampagne für den Euro sei "kontraproduktiv". "Wer klare Antworten auf klare Fragen erwartet, sieht sich stattdessen mit Plattitüden konfrontiert und fühlt sich nicht ernst genommen", sagte sie. Statt Fernsehspots und Plakataktionen mit Prominenten wie Ulrich Wickert oder Helmut Schmidt zu zeigen, müsse die Regierung für konkrete Informationen sorgen. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye wies die Vorwürfe zurück. Die derzeit laufende, 90 Millionen Mark teure Kampagne werde ihren Zweck erreichen.

Den Banken warf Verbraucherschützerin Müller vor, ein "diffuses Bild" abzugeben. Bislang hätten die Kreditinstitute noch nicht oder nur uneinheitlich geregelt, welche Gebühren beim Bargeldumtausch für die Bürger anfallen und welche Summe unter den gebührenfrei eintauschbaren "haushalsüblichen Mengen" zu verstehen sei. Unklar sei auch, zu welchen Konditionen Menschen ohne Konto - "immerhin eine halbe Million" - oder Kunden von Internetbanken tauschen könnten. Regierungssprecher Heye sagte, die Bundesregierung erwarte von den Banken einen kostenfreien Umtausch. Nach einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) können jedoch beispielsweise Kunden der Postbank nur bis zu 500 Mark gebührenfrei eintauschen. Fremdkunden müssen dafür fünf Euro Gebühr (9,80 Mark) bezahlen.

Auch HDE-Geschäftsführer Holger Wenzel kritisierte die Banken. "Sie versuchen, die Lasten der Euro-Umstellung auf andere, insbesondere auf den Handel, abzuwälzen." Die Geschäfte drohten zur "Wechselstube der Nation" zu werden. Die Kosten für die Umstellung auf Euro schätzte Wenzel auf acht bis zehn Milliarden Mark. Hintergrund der Kritik ist, dass Kunden nach der Euro-Einführung am 1. Januar 2002 für zwei Monate sowohl mit Euro als auch mit Mark bezahlen können. So lange können Verbraucher in Läden noch mit Mark bezahlen und bekommen Euro als Rückgeld. Für die Banken ist dies eine Entlastung. Für den Handel könnte die Regelung teuer werden, wenn die Banken Umtauschgebühren verlangen.

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