Politik : Euro: Wann, wenn nicht jetzt? (Kommentar)

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Der schwache Euro bleibt Sorgenkind - nicht nur der Europäer. Am Dienstag rutschte die Gemeinschaftswährung erstmals unter 85 Cent. Bald kostet ein Dollar 2 Mark 30. Jetzt fragen sich auch die Besonnenen, ob denn kein Kraut gegen den freien Fall des Euro gewachsen sei. "Wann, wenn nicht jetzt", hat IWF-Chefökonom Michael Mussa in Prag bei der Vorstellung des Weltwirtschaftsberichts gefragt. Das soll wohl heißen: Die Notenbanken müssen zugunsten des Euro intervenieren. Klug ist ein solcher Rat freilich nicht. Selbst wenn man der Meinung wäre, eine Intervention könnte den Euro stützen: Sie müsste kräftig, koordiniert und überraschend kommen. Interventionen auf den Devisenmärkten, die - von wem auch immer - angekündigt werden, verfehlen ihre Wirkung. Ohnehin gibt es aber bis heute keine Anzeichen dafür, dass die USA an einer Abwertung des Dollars Interesse haben könnten. Doch womöglich ist Mussa listiger als es auf den ersten Blick scheint: "Wann, wenn nicht jetzt", könnte auch das Alarmsignal für die Europäer sein, den Weg struktureller Reformen beherzt anzupacken und zudem endlich zu beraten, welcher politisch-institutionelle Rahmen Europa einen soll. Solange die Anleger darüber keine Gewissheit haben, bleiben sie auf der sicheren Seite. Die heißt in jedem Fall Amerika. Wetten darüber, wie die Euroabstimmung der Dänen am 28. September ausgehen wird, sind deshalb nicht riskant. Die Briten werden interessiert zuschauen.

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