Europäisches Solidaritätskorps : Freiwillige vor

Bei einem Europäischen Solidaritätskorps können jungen Menschen Auslandserfahrungen sammeln.

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Auch in der Bildung für Flüchtlinge könnten die Freiwilligen arbeiten.
Auch in der Bildung für Flüchtlinge könnten die Freiwilligen arbeiten.Foto: dpa

Die EU-Kommission hat am Mittwoch den Startschuss für ein Europäisches Solidaritätskorps gegeben, das jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 30 auch als Sprungbrett in eine längerfristige Beschäftigung dienen soll. „Wir hoffen, dass bis 2020 100.000 junge Menschen dabei sind“, sagte die für Beschäftigung zuständige EU-Kommissarin Marianne Thyssen. Beim Solidaritätskorps können junge Menschen freiwillig unter anderem grenzüberschreitend einen Beitrag beim Wiederaufbau nach Naturkatastrophen, in der Flüchtlingshilfe oder bei der Pflege des europäischen Kulturerbes leisten. Je nach ihren Aufgaben sollen die Teilnehmer dabei ein reguläres Gehalt oder eine Vergütung zur Begleichung der Reise- und Lebenshaltungskosten erhalten.

Bewerben können sich junge Menschen für das Solidaritätskorps im Internet unter www.europa.eu/solidarity-corps. Das Solidaritätskorps bietet nach Angaben der EU-Kommission die Möglichkeit, für einen Zeitraum zwischen zwei und zwölf Monaten Freiwilligendienst zu leisten, ein Praktikum oder eine Ausbildung zu absolvieren oder eine Stelle anzutreten.
„Das Europäische Solidaritätskorps eröffnet Chancen für junge Menschen, die sich in die Gesellschaft einbringen und Solidarität zeigen wollen – und genau davon brauchen die Welt und die Europäische Union mehr“, erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Bereits bei seiner „Rede zur Lage der Union“ hatte Juncker im vergangenen September angekündigt, dass die Brüsseler Behörde mehr für die Jugend in der Gemeinschaft tun wolle.

Freiwilligendienst und Berufsförderung sind möglich

Das neue Solidaritätskorps gliedert sich in zwei Zweige – den Freiwilligendienst und die Berufsförderung, die vom Praktikum bis zum regulären Job reicht. Nichtregierungsorganisationen, Kommunen oder Privatunternehmen suchen sich unter den Bewerbern Teilnehmer aus; die ersten Einsätze sollen im Juni 2017 beginnen. Die Finanzierung des Solidaritätskorps erfolgt über bereits bestehende EU-Töpfe wie das Erasmus-Plus-Programm, mit dem Auslandsaufenthalte von Auszubildenden gefördert werden. Laut EU-Kommission sind als Einsatzgebiete unter anderem das Bildung- und Gesundheitswesen, die Flüchtlingshilfe oder der Umweltschutz denkbar. Zu den möglichen Aufgaben können auch Rodungen im Unterholz in Waldgegenden gehören, mit denen Brände verhindert werden können. Einsätze unmittelbar nach Katastrophen wie Erdbeben sollen auch weiterhin den dafür geschulten Spezialisten überlassen werden.

Verpflichtung auf Werte wie Pluralismus und Toleranz

Sowohl die am Solidaritätskorps teilnehmenden jungen Menschen als die Organisationen, welche die Einsätze anbieten, müssen sich sich auf Grundsätze wie Pluralismus, Toleranz und Gleichberechtigung verpflichten. Das neue Korps soll in der gesamten EU mit ihren 28 Mitgliedstaaten aktiv werden. Darüber hinaus steht das Programm jungen Menschen aus Island, Liechtenstein, Norwegen, der Türkei und Mazedonien offen.

Weitere zwei Milliarden Euro für EU-Jugendgarantie

Vor allem im Süden der EU ist die Jugendarbeitslosigkeit nach wie vor hoch. In vielen EU-Ländern, darunter Spanien und Griechenland, liegt die Jugendarbeitslosigkeit zwischen 25 und 50 Prozent. Zur Förderung der Jugendbeschäftigung wurde vor drei Jahren die sogenannte EU-Jugendgarantie ins Leben gerufen. Die Brüsseler Kommission hat eine Aufstockung des Budgets für die Jugendgarantie um weitere zwei Milliarden Euro auf 8,4 Milliarden Euro bis 2020 vorgeschlagen.

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