Politik : Evangelische Kirche hat ein Herz für Unternehmer

Bischof Huber bemängelt einseitiges Image des „raffgierigen Managers“ / EKD-Denkschrift lobt „Neuschaffung von Reichtum“ für allgemeinen Wohlstand

Carsten Brönstrup

Berlin - In der Debatte um überzogene Bezüge und die Moral von Managern hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) davor gewarnt, ein falsches Bild von Unternehmern zu zeichnen. „In der öffentlichen Wahrnehmung dominiert inzwischen oft ein Unternehmertyp, der die Grundwerte der sozialen Marktwirtschaft nicht mehr repräsentiert“, sagte Berlins Bischof Wolfgang Huber, der EKD-Ratsvorsitzende, am Mittwoch. Dabei gehe es um Vorstände von Großbetrieben, die nur eine möglichst hohe Dividende für die Aktionäre im Blick hätten, wenig Rücksicht auf Beschäftigte nähmen und selbst beim Scheitern noch Millionen-Abfindungen kassierten. „Diese mediale Wahrnehmung entspricht nicht der Wirklichkeit im Ganzen“, befand Huber. Vielmehr bürgten Familienunternehmer und inhabergeführte Betriebe aus dem Mittelstand für eine Kultur, „in der fachliche Qualität, unternehmerische Verantwortung und soziale Einbettung zusammengehören“.

Huber stellte die neue Denkschrift „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“ vor. Entstanden ist sie unter der Federführung des Berliner Ökonomen Gert G. Wagner, der am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und an der Technischen Universität Berlin forscht. Mit dem Werk wolle die EKD einen neuen Dialog über das Handeln von Selbstständigen und Konzernchefs anregen, erklärte Huber. Darin unterstreicht die Kirche die Vorzüge des freien Unternehmertums. „Von zentraler Bedeutung ist die beständige Neuschaffung von Reichtum und seiner Nutzung als Wohlstand für möglichst viele“, heißt es. Ohne unternehmerisches Handeln sei dies nicht möglich. Halte sich ein Firmenchef an ethische Grundorientierungen, habe er auch beste Chancen, langfristig erfolgreich zu sein. Allerdings dürfe es nicht nur um Imagepflege gehen, weil sonst das Vertrauen verloren gehe. Die Denkschrift stehe in der Tradition etwa des Textes „Gerechte Teilhabe“ von 2006, in dem die EKD den Kampf gegen Armut in den Mittelpunkt stellt, sagte Huber.

Die öffentliche Wahrnehmung des unternehmerischen Ethos durchlaufe derzeit „eine besondere Krise“, analysierte der Ratsvorsitzende weiter. „Unverhältnismäßig hohe Gehälter von Managern zerstören das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaft“, kritisieren die Autoren in der Denkschrift. Allerdings könnten extrem hohe Managerbezüge gerechtfertigt sein, wenn eine Sanierung extrem schwierig sei und den Fortbestand der Firma sichere, ergänzte Wagner. Generell müsse die Höhe der Spitzeneinkommen auch von den Beschäftigten mit der geringsten Bezahlung verstanden werden, heißt es in der Schrift. Es sei zu befürchten, dass gesetzliche Regelungen kaum griffen. Die Kirche trete ein „für eine Wirtschaft mit allen und für alle“. Wagner befand, in den meisten Fällen reichten für Manager einfache Regeln aus, um korrekt zu handeln. „Man kommt sehr weit, wenn man sich an die Zehn Gebote hält.“ Würde etwa das Gebot „Du sollst nicht lügen“ häufiger beachtet, gäbe es sehr viel weniger „Auswüchse im Wirtschaftsleben“.

Die EKD ruft Unternehmer dazu auf, mit den Arbeitnehmern zu kooperieren und soziale Verantwortung zu übernehmen. Generell solle das deutsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft exportiert werden – dann funktioniere die Globalisierung auch besser, sagte Wagner. Zusätzlich seien eine intensivere Regulierung und mehr Transparenz auf den Finanzmärkten nötig.

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