Politik : Ex-Inspekteur gegen Nato im Irak

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Berlin Der ehemalige US-Chefwaffeninspekteur im Irak, David Kay, hat sich gegen den Einsatz von Nato-Truppen im Irak ausgesprochen. „Die Iraker sind ein sehr stolzes Volk, alle Truppen aus einem fremden Land würden als Besatzer angesehen“, sagte Kay am Donnerstag dem Tagesspiegel. Dies gelte auch für Truppen aus islamischen oder arabischen Ländern. „Iraker würden auch jordanischen oder syrischen Soldaten sehr feindselig begegnen“, sagte der im Januar von seinem Posten zurückgetretene Experte. Die USA sollten nicht nach neuen Truppen Ausschau halten, sondern sich darauf konzentrieren, der Übergangsregierung selbst die Kontrolle zu ermöglichen. „Die große Aufgabe besteht darin, dem Sicherheitssystem ein irakisches Gesicht zu geben“, sagte Kay, der sich auf Einladung des Aspen-Instituts in Berlin aufhielt. Während US-Präsident George W. Bush Nato-Hilfe wünscht, hatte sich Kanzler Gerhard Schröder für den Einsatz islamischer Soldaten im Irak ausgesprochen. Der Irak hat nach Ansicht Kays vor dem Krieg nicht über Massenvernichtungswaffen verfügt. „Ich glaube nicht, dass man jemals Vorräte solcher Waffen finden wird, die nach 1991 produziert worden sind“, sagte der Ex-Inspekteur. Lediglich Überbleibsel solcher Waffen aus dem Krieg gegen Iran in den 80er Jahren könnten gefunden werden. Allerdings habe Saddam Hussein versucht, die von den UN verbotene Produktion solcher Waffen etwa durch Forschung und Import von Chemikalien wieder aufzunehmen. Aus dem Irakkrieg müssen nach Auffassung Kays nicht nur US-Geheimdienste, sondern auch die anderer Länder lernen. „Bei der Analyse des irakischen Waffenprogramms hat sich keiner mit Ruhm bekleckert“, sagte der Experte. „Auch der deutsche Geheimdienst nicht.“ hmt

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