Politik : Ex-Ministerpräsident des Saarlandes erlag Krebsleiden

Heidi Parade

Im Alter von 70 Jahren ist der ehemalige saarländische Ministerpräsident Werner Zeyer einem Krebsleiden erlegen. An die Macht in Saarbrücken kam Zeyer 1979, nach dem plötzliche Tod seines populären Vorgängers Franz-Josef Röder. Zeyer fehlte für die landesväterliche Rolle jedoch die Volkstümlichkeit, die Röder ausgezeichnet hatte. Der spröde Jurist liebte das Bad in der Menge nicht. Aber er galt als unermüdlicher Arbeiter, den Sachverstand und Zuverlässigkeit auszeichneten. Seine Regentschaft fiel in die Zeit der großen Saarstahl-Krise. Als hartnäckiger Bittsteller in Bonn gelang ihm schließlich die Rettung des Völklinger Konzerns Arbed Saarstahl und damit der Erhalt vieler bedrohter Arbeitsplätze - freilich unter Inkaufnahme eines völlig überschuldeten Landeshaushalts. Zeyer, der zunächst die Laufbahn des Richters einschlug, war Mitbegründer der Jungen Union und von Anfang an Mitglied der Saar-CDU, deren Landeschef er 1977 wurde. Elf Jahre lang war er Landrat des Kreises St. Wendel. 1972 wurde er in den Bundestag gewählt. Kaum ein Jahr Regierungschef, lehrte ihn 1980 der damalige Saarbrücker Oberbürgermeister Oskar Lafontaine das Fürchten, als dessen SPD erstmals in der Geschichte des Landes stärkste Partei im Landtag wurde. Dennoch konnte die CDU die seit 1977 bestehende Koalition mit der FDP noch einmal fortsetzen. 1985 gewann die SPD die absolute Mehrheit, Lafontaine vertrieb Zeyer aus der Staatskanzlei. Den Machtverlust lastete die CDU vornehmlich ihrem "Zugpferd" an. Entsprechend ruppig ging sie mit ihm um. Daraufhin zog sich Zeyer enttäuscht aus der Politik zurück.

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