Politik : Exil in Russland?

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Erst vorige Woche dementierte Außenamtssprecher Alexander Jakowenko eine in der Berliner „Tageszeitung“ erschienene Meldung, wonach russische und USDiplomaten seit November in Bagdad Möglichkeiten für Saddams Asyl in Russland sondieren: Derartige Bitten würden nicht geprüft, ein diesbezügliches Ersuchen aus Bagdad sei nicht eingegangen.

Am Dienstag kam das Dementi des Dementis. Verklausuliert und anonym sagte eine „hochrangige Quelle“ im russischen Außenministerium der „Nesawissimaja Gaseta“, prinzipiell würde Russland Saddam politisches Asyl nicht verweigern. Erörterungen dürften jedoch „nicht in Form von informellen Absprachen mit den USA“ stattfinden: „Entscheidungen über das Schicksal von Chefs souveräner Staaten durch Dritte würden einen entsetzlichen Präzedenzfall für Kuhhandel gegenüber legitimen Regierungen schaffen“. Vorbereitet hatte den Sinneswandel – bisher hat Moskau einen erzwungenen Regimewechsel in Bagdad ausgeschlossen – Vizegeneralstabschef Jurij Balujewskij im Massenblatt „Moskowskij Komsomolez“ : Saddam „wegzuräumen“ sei besser als eine Invasion. Balujewskij habe dem Außenministerium damit einen Rückzug ohne Gesichtsverlust ebnen wollen, bilanziert „The Moscow Time“.

Politisch, meint der Politologe Iwan Sadrantschuk, würde Moskau durch einen Regimewechsel am Tigris nur gewinnen, wirtschaftlich stünden die Chancen fifty- fifty. Nachdem Bagdad im November den Vertrag mit der russischen Firma Luk-Oil zur Erschließung von Ölfeldern aufgekündigt hat, sogar noch besser. Zumal die USA Russland zugesagt haben, dessen Interessen im Irak zu berücksichtigen. win

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