Politik : Explosion in Atomanlage in Frankreich Radioaktivität

trat aber nicht aus

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Berlin - Bei einer Explosion in einem Verbrennungsofen für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Südfrankreich ist ein Arbeiter getötet worden. Vier weitere wurden verletzt, einer erlitt nach Angaben des Stromkonzerns EdF schwere Verbrennungen. Die EdF-Tochter Socodei betreibt die Anlage, die zum Atomkomplex Marcoule gehört. Nach Angaben der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN ist keine Radioaktivität ausgetreten. Socodei teilte mit, dass das Fabrikgebäude bei der Explosion intakt geblieben sei, auch seien keine Fenster zerbrochen. „Das war ein Industrieunfall, kein Atomunfall“, sagte ein EdF-Sprecher.

Auch in Deutschland wird schwachradioaktiver Müll verbrannt oder unter hohem Druck verpresst, um das Volumen zu verkleinern. In Frankreich wird das auch mit mittelradioaktiven Abfällen gemacht, deren Halbwertszeit nicht mehr als 30 Jahre beträgt. Das ist die Zeit bis zum Zerfall der Hälfte der Radioaktivität. Auf dem Gelände in Marcoule werden große Mengen Atommüll gelagert. Allein während des Betriebs dreier kleinerer Atomkraftwerke, die längst stillgelegt sind, sowie eines Schnellen Brüters, mit dem Plutonium auch für militärische Zwecke hergestellt wurde, sind nach Abgaben der Betreiberfirma Areva rund 30 000 Tonnen strahlenden Mülls angefallen, zwei Prozent davon sind hoch radioaktiv. 2008 wurde auch der Schnelle Brüter (Superphenix) stillgelegt.

Areva betreibt auf dem Gelände die größte Mox-Fabrik der Welt. Dort werden sogenannte Mischoxid-Brennelemente hergestellt, für die abgereichertes Uran 235 aus der Herstellung konventioneller Brennstäbe mit Plutonium gemischt wird, das aus Atomwaffen oder aus der Wiederaufarbeitung von Nuklearabfällen stammt. Uran- und Plutoniumoxid werden in Pulverform gemischt und zu Pellets verpresst. Dann kommen die Pellets in einen Sinterofen, wo die Stoffe bei 1500 bis 1700 Grad sechs Stunden fest miteinander verbunden werden. Im Anschluss werden die Pellets in Zirkoniumstäbe gefüllt. Diese Mox-Brennelemente kommen in Atomkraftwerken zum Einsatz.

Die grüne Europaabgeordnete Rebecca Harms sagte dem Tagesspiegel, sie erwarte von der Betreiberfirma und der Atomaufsicht mehr Informationen über den konkreten Unfallverlauf, „anstatt vor der Faktenklärung gleich verharmlosend zu sagen, dass keine Radioaktivität ausgetreten sei“. Dagmar Dehmer

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