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Explosive Luftfracht : De Maizière: Sprengstoffpäckchen wurde in Deutschland umgeladen

Innenminister de Maizière hat bestätigt, dass eines der von Terroristen im Jemen aufgegeben Sprengstoffpäckchen für die USA in Deutschland umgeladen wurde. Frachtflüge aus dem Jemen nach Deutschland sind gestoppt.

Nach dem Paketbomben Fund wurden nun die Sicherheitsvorkehrungen der Luftfrachtfirmen überprüft. Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
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30.10.2010 22:29Nach dem Paketbomben Fund wurden nun die Sicherheitsvorkehrungen der Luftfrachtfirmen überprüft.

Die deutschen Sicherheitsbehörden seien von einem befreundeten Geheimdienst in der Nacht zum Freitag informiert worden, hätten das Paket aber nicht mehr stoppen können, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntag in Dresden. "Wir nehmen den Vorgang ernst, auch wenn Deutschland wohl nicht Anschlagsziel war", fügte er hinzu.

Wegen des vereitelten Terroranschlags per Luftfracht hat de Maizière eine Nahost-Reise abgesagt. Der CDU-Politiker wollte eigentlich an diesem Sonntag zu politischen Gesprächen in Israel und den palästinensischen Gebieten aufbrechen. Die Reise sei „aufgrund der aktuellen Ereignisse“ abgesagt worden, erklärte ein Ministeriumssprecher. "Es wurde verabredet, nun rasch einen neuen Termin zu finden."

Die Bundesregierung zieht derweil Konsequenzen für die Luftfracht: Ab sofort soll keine Luftfracht aus dem Jemen mehr in Deutschland ankommen. Zuvor hatte bereits Frankreich am Samstag alle Frachtflüge aus dem Jemen gestoppt.

Nach Informationen der Zeitung aus Sicherheitskreisen wurde das Paket mit dem Sprengsatz auf dem Flughafen East Midlands aufgrund einer Warnung des Bundeskriminalamtes (BKA) sichergestellt. Das BKA hatte zuvor Hinweise aus Saudi-Arabien auf das verdächtige Paket erhalten, konnte den Weitertransport vom Flughafen Köln/Bonn durch den Paketservice UPS aber nicht mehr stoppen, berichtet "Bild am Sonntag" weiter.

Zwei eher zufällig vereitelte Bombenanschläge mit Luftpostpaketen auf Ziele in den USA hatten die Terrorfahnder in Alarmstimmung versetzt. Nach einer Bitte der amerikanischen Luftsicherheitsbehörde (TSA) und in Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium hatte das Verkehrsministerium am Abend die DHL gebeten, Fracht aus dem Jemen auf ihrem Drehkreuz in Leipzig zu kontrollieren. Die DHL kam dieser Bitte unverzüglich nach, teilte das Verkehrsministerium mit. Das Unternehmen kontrolliere damit bis auf Weiteres die Fracht aus dem Jemen, gleichermaßen wie UPS und FedEx.
Bei der Suche nach den Hintermännern der Bombenpakete in Frachtflugzeugen auf dem Weg in die USA sind im Jemen am Samstag zwei verdächtige Frauen festgenommen worden. Die beiden Frauen, eine Medizinstudentin und ihre Mutter, seien von der Polizei in ihrer Unterkunft im Armenviertel Madhbah der Hauptstadt Sanaa aufgegriffen worden, teilte Präsident Ali Abdullah Saleh am späten Samstagabend mit. Das Haus war zuvor von Sicherheitskräften umstellt worden, wie Präsident Ali Abdallah Saleh bekannt gegeben hatte. Bereits zuvor hatten die Behörden des Landes mitgeteilt, mehr als zwei Dutzend weitere verdächtige Sendungen entdeckt und mehrere Menschen festgenommen zu haben.

Die Polizei im Jemen habe zuvor einen Hinweis von US-Ermittlern erhalten. Diese hatten die junge Frau als Käuferin der SIM-Karte, die an einem der beiden Sprengsätze befestigt war, identifiziert. „Sie ist eine Medizinstudentin, und sie wird zur Befragung festgehalten“,, sagte Saleh. Ihr Name und weitere Details wurden nicht genannt.

Der jemenitische Präsident betonte zugleich, dass er keine ausländische Unterstützung zur Bekämpfung der Al Qaida in seinem Land wünsche. „Wir möchten nicht, dass sich jemand in Angelegenheiten des Jemens einmischt und die Al Qaida hier jagt“, sagte er. „Wir werden unsere Flugzeuge und Ausrüstung einsetzen, um die Al Qaida wo auch immer im Land zu jagen.“ Der Jemen ist zuletzt zunehmend ins Visier internationaler Terrorfahnder geraten. Der jemenitische Ableger des Terrornetzes Al Qaida gilt als besonders aktiv.

Die in England entdeckte Paketbombe ist am Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden. Der in einem Container befindliche Sprengstoff sei mit einem Flieger aus Jemen in Köln gelandet und dort vom US-Paketdienst United Parcel Service (UPS) aufgenommen worden, teilte ein Sprecher der Londoner Polizei am Samstag mit. Das europäische Luftfrachtzentrum von UPS befindet sich am Flughafen Köln/Bonn.

Nach dem mutmaßlichen Anschlagversuch mit Paketbomben auf jüdische Zentren in Chicago fahren die USA ihre Terrorabwehr hoch. Präsident Barack Obama zufolge werden die Sicherheitsvorkehrungen für den Luftverkehr so lange verschärft wie nötig. Obama nannte die beiden in Frachtflugzeugen in Dubai und Großbritannien sichergestellten Pakete eine „glaubhafte terroristische Bedrohung“. Er machte zugleich deutlich, dass die USA keine Anstrengung scheuten, um die Verantwortlichen ausfindig zu machen.

Im Jemen haben die Behörden am Samstag 26 weitere verdächtige Pakete entdeckt und mehrere Personen festgenommen. Die 26 Pakete würden untersucht, verlautete in Sanaa aus jemenitischen Ermittlerkreisen. Zudem seien Mitarbeiter von Luftfrachtgesellschaften und der Frachtabteilung des internationalen Flughafens Sanaa festgenommen worden worden, um sie zu den verdächtigen Vorkommnissen zu befragen.

Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte für ähnliche Terrorpläne auf Ziele in Deutschland. „Es liegen keine konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen gegen Deutschland vor“, erklärte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Samstag in Berlin. „Die geschilderten Vorgänge fügen sich in die derzeitige Gefährdungslage für die Bundesrepublik Deutschland ein, auf die wir in den vergangenen Wochen mehrfach hingewiesen haben“, fügte der CDU- Politiker an und versicherte: „Wir tun gemeinsam mit unseren Verbündeten und den Bundessicherheitsbehörden alles, was möglich ist für die Sicherheit der Bevölkerung.“ Die Sicherheitsmaßnahmen lägen „auf einem hohen und lageangepassten Niveau“.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) rief zu erhöhter Wachsamkeit auf. „Wir befinden uns generell in einer Situation, wo es immer wieder Terroranschläge geben kann“, sagte er. „Für manche ist es abstrakt, aber es ist hoch konkret. Und es äußert sich manchmal an den entlegensten Orten dieser Erde. Deshalb müssen wir darauf unser Sicherheitsdenken einstellen.“

Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mahnte zur Vorsicht. „Das ist ein aktueller Beweis dafür, wie konkret die terroristische Bedrohung nach wie vor ist.“ Die Behörden müssten das ernst nehmen, „denn solche Anschläge sind natürlich auch in Deutschland denkbar“, sagte er.

Unterdessen gingen die Ermittlungen zum Ausmaß der Bedrohung durch die beiden Pakete auf Hochtouren weiter. Die Päckchen waren am Freitag in Dubai sowie auf dem britischen Flughafen East Midlands bei Nottingham gefunden worden. Sie waren an jüdische Einrichtungen in den USA adressiert. Bis zum Mittag war noch nicht klar, ob es sich bei der mit „explosiven Materialien“ versehenen Fracht tatsächlich um voll funktionsfähige Bomben handelte, hieß es in London.

Beide Päckchen sollen laut US-Sender CNN Druckerpatronen enthalten haben, die mit einem weißen Pulver versehen waren. Bei einem der möglichen Sprengsätze soll ein Anschluss für ein Mobiltelefon, das als Zünder gedacht gewesen sein könnte, gefunden worden sein. Beim Inhalt des in Großbritannien gefundenen Päckchens handelte es sich um eine manipulierte Druckerpatrone, aus der Drähte und ein Schaltkreis hingen.

Am Freitag hatte vieles zunächst auf falschen Alarm hingedeutet. Es war von Bombenattrappen, später von einem Testlauf für einen echten Terroranschlag die Rede gewesen. Obama sagte dann aber wenig später, die Pakete beinhalteten „anscheinend explosives Material“. Er sprach von einer „glaubhaften terroristischen Bedrohung“. Kurz darauf gab May bekannt, dass in dem in Großbritannien aufgetauchten Paket explosives Material gefunden worden sei. Obama sagte, es werde geprüft, ob es eine Verbindung zu einem Ableger der Terrororganisation Al-Kaida im Jemen gebe. London stoppte am Abend zunächst alle Direktflüge vom Jemen nach Großbritannien.

Das arabische Land ist in den vergangenen Monaten zunehmend ins Visier internationaler Terrorfahnder geraten. Obama habe mit dem jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh telefoniert, der den USA seine volle Unterstützung zugesagt habe, hieß es.

Nach dem Fund waren in den USA Dutzende Frachtflugzeuge der Gesellschaften UPS, DHL und FedEx untersucht worden. In Philadelphia und Newark bei New York wurden insgesamt drei Cargomaschinen auf abgelegene Parkpositionen gezogen, um die Fracht zu durchsuchen. Ein UPS-Lastwagen wurde ebenfalls gestoppt und durchsucht.

Die US-Behörden hatten außerdem zwei F-15-Jagdflugzeuge aufsteigen lassen, um eine Passagiermaschine der Fluggesellschaft Emirates mit Ziel New York zu eskortieren. Sie hatte verdächtige Fracht aus dem Jemen an Bord. Sofort nach der Landung umringten Polizeifahrzeuge die Maschine. Weitere Funde wurden zunächst aber nicht bekannt. (AFP/dpa/dapd/Reuters)

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