Politik : Extreme Gewalttat in Dessau Staatsanwaltschaft plant Anklage wegen Mordes

Frank Jansen

Berlin - Sie schlugen wie von Sinnen auf das Opfer ein. Den Tätern reichten ihre Fäuste nicht, sie misshandelten den 50-jährigen Mann auch mit einem Abfallbehälter aus Metall. Was sich in der Nacht zum 1. August nahe dem Bahnhof Dessau abgespielt hat, regt den erfahrenen und eher spröden Oberstaatsanwalt Christian Preissner bis heute auf. „Ich bin immer noch emotional betroffen“, sagt der Sprecher der Dessauer Staatsanwaltschaft. Er war in der Tatnacht zum Ort des Geschehens geeilt und sah die Leiche, die so übel zugerichtet war, dass Preissner keine Details nennen mag. Aber er äußert sich zu den Konsequenzen: Bis spätestens Anfang November wird gegen die zwei mutmaßlichen Täter Anklage erhoben. Preissner will ihnen gemeinschaftlichen Mord vorwerfen. Es handele sich um eine „menschenverachtende Tat“, sagt der Oberstaatsanwalt, um eine „auf niedrigster Stufe“. Und es gibt Indizien, die vermuten lassen, dass die Schläger aus einer rechtsextremen Gesinnung heraus das Opfer totgeprügelt haben.

Nach Informationen des Tagesspiegels fanden die Ermittler bei der Durchsuchung der Wohnungen der 33 und 23 Jahre alten Tatverdächtigen Dateien mit rechtsextremistischer Musik. Anfang Oktober hatte Preissner bereits in einer Pressemitteilung angedeutet, „tatauslösend“ könnte „rechtsextremes, Gewalt verherrlichendes und zugleich menschenverachtendes Gedankengut“ gewesen sein. Dem Tagesspiegel sagt er, es sei denkbar, die Beschuldigten hätten den Mann, der in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Halle lebte, für minderwertig gehalten. Wie es zu dem Angriff in der Nacht kam, ist allerdings noch nicht ganz klar. Passanten in der Umgebung sahen angeblich nichts. Ein Zeuge jedoch, der zumindest hörte, was da vor sich ging, alarmierte die Polizei, die schnell zur Stelle war. Die Tatverdächtigen, beide alkoholisiert, wurden sofort festgenommen. An ihren Händen und der Kleidung klebte das Blut des Opfers.

Sollte sich Preissners „Hypothese“ bestätigen, die Beschuldigten könnten rechtsextrem motiviert gewesen sein, wäre der Fall möglicherweise der erste einer Serie von drei einschlägigen Tötungsverbrechen aus dem August in Sachsen- Anhalt. Zwei Wochen nach dem Gewaltexzess in Dessau traktierte ein Rechtsextremist in Magdeburg einen 20 Jahre alten Kunststudenten. Der Täter trat in der Nacht zum 16. August nahe einer Bushaltestelle massiv auf das Opfer ein. Der Student erstickte an seinem Blut. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat jetzt Anklage gegen den 20-jährigen Tatverdächtigen erhoben. Die Behörde wirft ihm Totschlag vor – und betont, der Mann sei der Neonazi-Szene zuzurechnen.

Dritter Fall: Am 24. August wurde in Bernburg ein 18-Jähriger erstochen. Dringend tatverdächtig ist ein 19 Jahre alter Mann, der schon als krimineller Rechtsextremist aufgefallen war. In seiner Wohnung verblutete das mit Stichwunden übersäte Opfer. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg erhob jetzt ebenfalls Anklage, auch wegen Totschlags. In Justizkreisen heißt es, in den Fällen zwei und drei könnten die Prozesse noch 2008 beginnen.

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