Politik : Fahndung im Nirgendwo

Außenminister Fischer stattet Mali einen Dankbesuch ab. Von den Entführern der Sahara-Geiseln fehlt noch immer jede Spur

Ralph Schulze[Madrid]

Vor mehr als zwei Monaten kamen die letzten 14 von insgesamt 32 in der Sahara entführten Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Mali frei, doch noch immer fehlt jede Spur von den Kidnappern.

Die annähernd 50 islamistischen Terroristen, die der algerisch-arabischen Extremistengruppe „Tarek Ibn Ziad“, einem Arm der europaweit tätigen GSPC (Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf), zugeordnet werden, sind nach der Freilassung der Geiseln gegen rund 4,5 Millionen Euro Lösegeld offenbar von der Sahara verschluckt worden. Die Sicherheitsbehörden vermuten aber, dass die bewaffnete Gruppe sich immer noch im unwegsamen Norden Malis versteckt.

Auch Außenminister Joschka Fischer, der sich am Dienstag zu politischen Gesprächen in Malis Hauptstadt Bamako aufhielt und danach noch Namibia und Südafrika besucht, hat nicht viel Neues zum Stand der Fahndung zu hören bekommen. Zwar versuchen malische, algerische, deutsche und amerikanische Agenten, die Terroristen aufzuspüren. Doch der Einsatz in der Sahara, der größten Wüste der Welt, ist eine verzweifelte Suche, zumal im Norden Malis, einem Niemandsland, in dem Nomaden, Schmuggler und islamistische Extremisten herrschen.

Fischer dankte Malis Präsidenten Amadou Toumani Toure für die Hilfe. Ohne Malis Engagement, sagte Fischer, „wäre die Geiselbefreiung so nicht möglich gewesen". Als Gastgeschenk brachte der Außenminister 20 gebrauchte und geländegängige Armeelastwagen der Bundeswehr mit. Zudem sicherte er weitere wirtschaftliche Unterstützung zu. Generalbundesanwalt Kay Nehm hat inzwischen gegen fünf mutmaßliche Geiselnehmer internationale Haftbefehle ausgestellt. Aber in der unüberschaubaren Sahara können sich die Terroristen ziemlich sicher fühlen. Dass sie eine Verfolgung nicht ernsthaft fürchten, spiegelt sich auch darin, dass sie sich von Geiseln filmen und fotografieren ließen. Derweil scheint die Bedrohung durch die GSPC nicht geringer zu werden. In einem Pamphlet beschwört die GSPC ihre Verbindung zum Terrornetzwerk Al Qaida: „Wir unterstützen voll und ganz Osama bin Ladens heiligen Krieg“, heißt es.

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