Fall al Masri : Zeuge will Botschaft über Entführung informiert haben

Neue Ungereimtheiten in der CIA-Affäre um die Entführung des Deutsch- Libanesen al Masri: ein Zeuge behauptet, er habe damals von der Festsetzung eines deutschen Staatsbürgers erfahren und die Botschaft in Skopje informiert.

Berlin - Es wäre der zweite Zeuge, der frühzeitig von der Entführung wusste. Das Auswärtige Amt bezweifelt die Angaben, die Opposition will den Mann vor den Untersuchungsausschuss laden. Das Ministerium sagte, ein Mitarbeiter des Amtes habe die Geschichte über den Anruf bei der Botschaft Ende April 2006 von dem Deutschen erfahren. Das Amt habe daraufhin den Deutschen und die in Betracht kommenden Mitarbeiter der Botschaft befragt. Der Mann habe keine Angaben «zu seinem angeblichen damaligen Gesprächspartner sowie über den genauen Zeitpunkt des Gesprächs machen» können. Der Name al Masri sei in dem Anruf nicht genannt worden.

Wie es weiter hieß, habe sich auch keiner der Botschaftsmitarbeiter an ein solches Gespräch erinnern können. Das Auswärtige Amt bleibt deshalb bei der Feststellung, erst im Juni 2004 durch ein Schreiben des Anwalts von al Masri an den damaligen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) von dem Fall erfahren zu haben.

Im Juni hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) entgegen früheren Erklärungen eingeräumt, dass einer seiner Mitarbeiter bereits im Januar 2004 von der Festnahme al Masris erfahren hatte. Zuvor hatte der BND stets erklärt, dass man von der Festnahme des Deutsch-Libanesen erst im Sommer 2004 nach dessen Rückkehr nach Deutschland erfahren habe.

"Die Verteidigungsmauer bröckelt"

Der Obmann der FDP im Untersuchungsausschuss, Max Stadler, sagte, nun gebe es bereits einen zweiten Zeugen, der frühzeitig von der Entführung al Masris gewusst haben soll. Der Mann solle baldmöglichst vor den Untersuchungsausschuss geladen werden. «Die Verteidigungsmauer der Bundesregierung bröckelt», betonte Stadler.

Nach Ansicht des Grünen-Obmanns Hans-Christian Ströbele schürt die Meldung «weiter das Misstrauen, dass die Darstellungen der Bundesregierung und des BND nicht der Wahrheit entsprechen».

Lauschangriff auf Anwalt

Zudem wurde bekannt, dass al Masris Anwalt von der Polizei abgehört wurde. Der Lauschangriff auf den Juristen Manfred Gnjidic gehe auf einen Beschluss des Münchner Amtsgerichtes vom 11. Januar 2006 zurück, die Maßnahme sei dann am 11. April mit einem Fortsetzungsbeschluss verlängert worden, berichtete «Focus Online». Beamte des bayerischen Landeskriminalamtes hörten demnach nicht nur die Festnetzanschlüsse des Anwalts ab, sondern auch dessen persönliches Handy.

Erst am vergangenen Montag habe Gnjidic von der Abhöraktion erfahren, als er bei der Münchner Staatsanwaltschaft Akten abgeholt habe. Gegenüber dem Magazin bezeichnete Gnjidic die Überwachung als «ungeheuerlich» und kündigte rechtliche Schritte an. Nach Medienberichten soll auch al Masri selbst nach seiner Freilassung im Frühsommer 2004 von der Polizei abgehört worden sein. (Von Michael Beumer, ddp)

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