Politik : Fall Lindh: Kritik von Palme-Ermittler an Sicherheitspolizei

„Außenministerin hätte Personenschutz haben müssen“

Andre Anwar

Stockholm. Der Chefinspektor der PalmeMordkommission, Stig Edqvist, hat sich zum ersten Mal zum Fall der ermordeten schwedischen Außenministerin Anna Lindh geäußert. Dem Tagesspiegel sagte er am Sonntag: „Dass die Sicherheitspolizei Säpo nicht genug Ressourcen hat, um alle Regierungsmitglieder unter permanenten Personenschutz zu stellen, ist ein Faktum, dass zwischen Regierung und Säpo festgelegt wurde. Da haben beide Seiten eine Schuld zu tragen.“ Wenn die Regierung permanenten Schutz für alle Minister wolle, müsse die Säpo die Mittel dafür auch bekommen. Edqvist sagte, beide Seiten hätten seit dem Palme-Mord 1986 mehr darüber nachdenken müssen, die Sicherheit zu verstärken. Als einer der ranghöchsten Polizeibeamten Schwedens kritisierte er die Säpo aber auch scharf: „Es ist Aufgabe der Sicherheitspolizei, festzulegen, welche Politiker gefährdet sind und welche nicht. Anna Lindh war augenscheinlich sehr gefährdet, und dass die Säpo das nicht so sah, war ein grober und tragischer Fehler."

Die Außenministerin war am 10. September ohne Leibwächter in Stockholm unterwegs. In einem Kaufhaus wurde sie von einem Mann mit mehreren Messerstichen schwer verletzt und verstarb einen Tag später. Auch der ehemalige Ministerpräsident Olof Palme hatte bei seiner Ermordung keinen Personenschutz. Hochrangige Regierungsbeamte hatten kurz nach dem Lindh-Attentat ein drastisches Umdenken bei den Säpo-Strategien gefordert. Die Zeitung „Aftonbladet“ berichtete jedoch, dass selbst vier Wochen nach dem Mord, die meisten Minister im Kabinett von Ministerpräsident Göran Perssons sich ungeschützt in der Öffentlichkeit bewegen. „Aftonbladet“ schrieb, Reporter der Zeitung hätten einzelne Kabinettsmitglieder mehrere Tage lang beschattet.

Zu den Ermittlungen der Stockholmer Polizei im Fall Lindh äußerte sich Edqvist, der seit sechs Jahren die Palme-Mordkommission leitet, positiv. „Am Anfang wurden zwar Fehler gemacht, aber die neueren Ergebnisse der Polizei zeugen insgesamt von einer sehr erfolgreichen Arbeit." Der größte Fehler sei es gewesen, die Kaufhausbilder zu veröffentlichen. Dadurch hätten Zeugen beeinflusst werden können. „Ich habe die Bilder am 12. September nachmittags per E-Mail bekommen. Am nächsten Morgen waren sie schon bei den Boulevardzeitungen im Internet zu sehen", sagte Edqvist. Inzwischen gebe es interne Ermittlungen. „Wir wollen wissen, wer sich innerhalb der Polizei unrechtmäßig Zugang zu den Lindh-Daten verschafft hat. Die Veröffentlichung der Bilder war keine von der Polizei beabsichtigte Aktion.“

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar