Politik : Fantastisch daneben

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Kann ein Mensch etwas tun und es doch nicht tun? Seit Aristoteles die Logik von Aussagen untersucht hat, ist das für vernunftbegabte Wesen eigentlich ausgeschlossen. Nur Politiker bringen es fertig, Unvereinbares zu vereinbaren. So hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) am Donnerstag eingeladen, weil der CDU-Politiker Friedbert Pflüger angeblich eine Studie über „Fehlprognosen während des Irak-Krieges“ vorstellen wollte. Pflüger erschien auch zu dem Termin und setzte sich brav mit den KAS-Leuten an einen Tisch. Allerdings sagte er nur einen Satz über „Fehleinschätzungen und Verzerrungen“ auf allen Seiten, nahm lange zur Lage in Afghanistan und im Irak Stellung und verabschiedete sich dann schnell, bevor es zur Sache ging: „Ich bin weder der Initiator noch der Autor der Studie.“ Das einseitige Pamphlet mit hochtrabendem Anspruch, das natürlich den politischen Gegner bloßstellen soll, wurde nachher von den Journalisten auseinander genommen: Was sind die Kriterien? Wo ist der Beleg? Und ist es nicht unter dem Niveau der Adenauer-Stiftung, penibel Horrorsätze zu Opferzahlen aufzulisten, statt sich mit starken Argumenten der Kriegsgegner auseinander zu setzen? Bevor Pflüger verschwand, hatte er noch ein Papier vorgelegt, in dem er auf im Irak angeblich aufgedeckte Massengräber „mit Hunderttausenden von Toten“ hinweist. Wurden Hunderttausende von Toten entdeckt? Manchmal scheint die Beschreibung der Gegenwart fast noch schwieriger als eine Voraussage für die Zukunft. Irgendwie muss Pflüger das geahnt haben. Die Studie trägt den Titel „Die Stunde der Fantasten“.

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