Politik : Fast alle Südosseten stimmen für Unabhängigkeit – ohne Erfolg

-

Moskau - Fast alle Wähler – knapp 100 Prozent – haben in Südossetien bei einer Wahlbeteiligung von mehr als 94 Prozent am Sonntag per Referendum für die Unabhängigkeit der Region gestimmt. Das Ergebnis hat jedoch für die nähere Zukunft keine praktischen Folgen. Südossetien wollte mit der Abstimmung vor allem die internationale Gemeinschaft zwingen, den gegenwärtigen Status quo auch juristisch anzuerkennen: Nominell gehört die Region zu Georgien, ist aber seit 1992 de facto unabhängig.

Der Westen steht jedoch aufseiten Georgiens: Tiflis will Südossetien und der Schwarzmeer-Region Abchasien, die sich 1993 für unabhängig erklärte, maximale Autonomie gewähren, beide nicht aus dem gemeinsamen Staatsverband entlassen. EU, Nato und die USA wollen deshalb das Referendum nicht anerkennen. Mit Spannung sehen die Separatisten und Moskau als deren inoffizieller Schutzmacht nun der Entscheidung über den künftigen Status des Kosovo entgegen, die Ende Januar fallen soll. Falls die internationale Gemeinschaft die zu Serbien gehörende, mehrheitlich von Albanern bewohnte Region in die Unabhängigkeit entlässt, wollen sie daraus einen Präzedenzfall für die politische Neuordnung im südlichen Kaukasus machen.

Seit dem Ende der Sowjetunion streiten Russland und die USA dort um politischen Einfluss und die Kontrolle über das Öl des Kaspischen Meeres sowie dessen Transportwege. Moskau kann dabei nur auf Armenien und bedingt auf die Loyalität Aserbaidschans setzen, Georgien dagegen betreibt seit dem Machtwechsel vor drei Jahre eine dezidiert prowestliche Politik. Moskau pariert mit Wirtschaftsembargo und Rückendeckung für die abtrünnigen Regionen und begründet dies mit der Obhutspflicht für seine Staatsbürger: Weit über 60 Prozent der Bevölkerung Südossetiens und Abchasiens haben einen russischen Pass. win

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben