Politik : Feiern ohne Oskar

Die SPD-Spitze will Ex-Chef Lafontaine nicht beim 140. Geburtstag der Partei sehen – manche Genossen finden das kleinkariert

Markus Feldenkirchen,Hans Monath

Von Markus Feldenkirchen

und Hans Monath

Erträgt die SPD noch die Präsenz ihres früheren Parteichefs? Hat Oskar Lafontaine seine Kritik an der Bundesregierung so weit überzogen, dass er parteiintern zu den Geächteten gezählt werden muss? Die Sozialdemokraten, die derzeit schon genug zu debattieren haben, streiten seit Dienstag auch noch darüber, ob der Ex-Parteichef zu Recht von einem Großereignis der SPD ausgeschlossen bleibt: Wenn die Partei am 23. Mai ihren 140. Geburtstag feiert, soll der notorische Schröder-Kritiker auf keinen Fall dabei sein, obwohl er zur Parteigeschichte gehört. SPD-Generalsekretär Olaf Scholz begründete seine Entscheidung damit, „dass es Lafontaines bisheriges Verhalten nicht rechtfertigt, dass er zu dieser Veranstaltung kommt“. Prompt monierten Kritiker wie der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas und Juso-Chef Nils Annen, die Ausladung sei kleinkariert und zeuge „nicht unbedingt von Größe“. Andere, wie der Berliner Landeschef Peter Strieder, freuen sich dagegen über Oskars Ausladung: „ Man geht nicht zum Geburtstag der Verwandtschaft, mit der man total zerstritten ist.“

So wird Lafontaine beim Fest im Berliner „Tempodrom“ weder die Festtagsmusik der „Prinzen“ noch die „Zeitreise durch die Geschichte der SPD“ mit Videos, Fotos und dem „Talk mit Zeitzeugen“ genießen können. Obwohl er als Zeitzeuge sicher einiges zur jüngsten Parteigeschichte hätte beisteuern können. Glaubt man den Zuständigen in der SPD-Zentrale, dann war die Einladungsfrage in Sekundenschnelle geklärt. Irgendwann habe jemand gefragt: „Und was ist mit Oskar?“ „Kommt nicht“, hat Scholz kurz in die Runde gebrummt. Erledigt. Nicht mal mit Parteichef Gerhard Schröder soll darüber gesprochen worden sein – auch wenn der wohl keine Einwände hat.

Die SPD-Basis drängt sich dagegen noch immer gern um den Ex-Vorsitzenden. Auch bei der Regionalkonferenz in Nürnberg suchten Delegierte demonstrativ Oskars Nähe, legten ihm den Arm um die Schulter. Allerdings war nicht der leibhaftige Lafontaine gekommen. Vielmehr hatte die Illustrierte „Stern“ eine Pappfigur vor dem Eingang aufgebaut – darüber regten sich Parteifunktionäre auf. Manche Politiker provozieren ihre eigene Partei sogar dann, wenn sie nur als Pappkamerad antreten.

Auch wenn Lafontaine nicht mitfeiert, bleibt die Frage, ob er eine Woche später zum Sonderparteitag kommt. Seine Bedingung für ein Auftreten legt freilich nahe, dass es ihm so ernst nicht sein kann: Lafontaine will nur kommen, wenn ihm die Partei die gleiche Redezeit wie dem Kanzler zusichert. Außerdem müsste Lafontaine auch Kritik von enttäuschten Genossen fürchten. Und darauf, so glaubt die SPD-Spitze, werde Oskar sich nicht einlassen. So wird er weiter Veranstaltungen bevorzugen, auf denen ihm niemand widerspricht: Talkshows und Gewerkschaftstreffen etwa.

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