Politik : Feindliche Brüder

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Auch wenn Präsident Kim Dae Jung in den vergangenen Monaten harsche Kritik für seine „Sonnenscheinpolitik“ gegenüber dem kommunistischen Nordkorea einstecken musste – vor zwei Jahren war man noch so begeistert von der Annäherung der beiden Staaten gewesen, dass Kim in Oslo dafür der Friedensnobelpreis verliehen worden war. Im März 2000 hatte er in Berlin seine Politik vorgestellt, eine Art Wandel durch Annäherung. Und bereits wenige Monate darauf kam es zu einem Wendepunkt in der Geschichte der beiden Koreas: Am 13. Juni trafen Präsident Kim Dae Jung und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il in Pjöngjang zusammen. Bald darauf durften sich ausgewählte Familien treffen, deren Mitglieder sich oft seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatten. Das Verbindungsbüro in Panmunjom öffnete wieder, gemeinsame Verkehrsprojekte wurden beschlossen. Doch der nordkoreanische Angriff auf ein südkoreanisches Armeeboot, bei dem mehrere Menschen starben, legte im Sommer die Annäherung zunächst auf Eis. Erst im Herbst trafen sich wieder hochrangige Delegierte beider Länder zu Gesprächen. Gegner von Kim Dae Jungs Politik kritisierten jedoch, dem Norden würden zu viele Konzessionen gemacht, ohne dass wirkliche Gegenleistungen eingefordert würden. Nordkoreas Atomprogramm dürfte daran wenig geändert haben. cir

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