Folterungen : Peiniger im Nebenraum

US-Journalisten berichten von Folterungen. Viele in der Opposition fürchten die Rache der Machthaber.

Karin Schädler

Berlin - „Das Volk will den Sturz des Regimes“ – diese Forderung begleitete als Sprechgesang die Proteste in Ägypten von Anfang an. Auf die derzeitigen Verhandlungsversuche zwischen manchen Oppositionspolitikern und eben diesem Regime reagieren viele Demonstranten verärgert. „Hört auf, in unserem Namen zu verhandeln“, schreibt der ägyptische Blogger Mohamed Ghoneim. Die Kompromisslosigkeit derer, die sich Freiheiten erkämpfen wollen, hat auch sehr viel mit Angst zu tun: Sie fürchten die Rache der Machthaber. „Wir werden schließlich am Ende diejenigen sein, die in den Kellern der Geheimpolizei hängen“, schreibt Ghoneim in einer auf Facebook verbreiteten Erklärung. Die „Garantien“ von Politikern seien nichts wert. Zu denen, die bereits jetzt mit der Regierung verhandeln, sagt er: „Ihr wisst nicht, was es bedeutet, bis auf die Knochen ausgezogen und gefoltert zu werden.“

Wie real die Gefahr ist, zeigen Berichte von Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, die in den vergangenen Tagen von der ägyptischen Geheimpolizei oder der Armee festgehalten wurden. Sie hätten Schmerzensschreie gehört – die ganze Nacht über, berichteten zwei „New York Times“-Journalisten. „Du sprichst mit Journalisten, du sprichst schlecht über unser Land?“, hätten die Peiniger im Nebenraum gerufen. „Das Schlimmste war nicht, wie wir selbst behandelt wurden“, sagen die Journalisten. Sondern das, was sie sahen und vor allem hörten: „Wie Ägypter von ihrer eigenen Regierung misshandelt werden.“ Zwei Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden vergangene Woche in einem Haftlager der Armee festgehalten – gemeinsam mit ägyptischen und internationalen Journalisten, politischen und Menschenrechtsaktivisten. „Unsere Mitarbeiter haben im Militärcamp Schreie gehört von Menschen, die offensichtlich gefoltert wurden“, sagt Ruth Jüttner, Nordafrika-Expertin bei Amnesty.

In den letzten Tagen sei es zu „Festnahmewellen“ gekommen, sagt Jüttner. Folter werde in Ägypten „systematisch“ angewendet – von Polizisten und Geheimpolizisten. Jeder Festgenommene müsse damit rechnen, Opfer zu werden. So passierte es auch dem jungen Khaled Said, der versuchte, Korruption bei der Polizei aufzudecken und von Polizisten zu Tode gefoltert wurde. Nach seinem Tod gab es bereits im vergangenen Jahr Proteste in mehreren Städten. Die Gruppe, die sie organisierte, spielt auch jetzt eine Schlüsselrolle.

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