Fotografie : Am Ende des Ostens – damals und heute

Es war in der DDR verboten, die Mauer zu fotografieren. Detlef Matthes hat es dennoch getan. Die Bilder sind einzigartige Dokumente.

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Kommandantenstraße, Beuthstraße, Neue Grünstraße, Seydelstraße, Alte Jakobstraße. Dieses Foto entstand 1986 und wurde aus der 24....

Von seinem Wohnort Biesenthal ist der damals 18-jährige Detlef Matthes mit der Bahn immer wieder nach Ostberlin gefahren – um die Mauer zu fotografieren. Dieses Monstrum, das den Blick nach Westberlin versperrte, war eine verbotene Zone – und dennoch in der DDR-Hauptstadt so gegenwärtig. Rund 180 Aufnahmen machte Matthes – aus der S-Bahn heraus, in Hinterhöfen, auf Friedhöfen, auf Straßen, die von der Mauer unterbrochen wurden. Und jedes Mal begab er sich dabei in Gefahr. Denn im Gegensatz zu Westberlin, wo die Mauer bunt bekritzelt war, bedeutete die Annäherung an die Mauer im Osten Gefahr für Leib und Leben. Und sie zu fotografieren, war eine politische Provokation.

Im Juni 1987 ist Matthes mit seinem Fotoapparat dabei, als viele DDR-Bürger zum Brandenburger Tor strömen, um einem Rockkonzert auf Westberliner Seite zu lauschen. Als Sicherheitskräfte die Straße Unter den Linden absperren, kommt es zu Ausschreitungen. Matthes fotografiert die Szenen und wird von der Stasi dabei erwischt. Es folgt eine Hausdurchsuchung in der elterlichen Wohnung. Dabei findet die Stasi unter anderem Fotos und Filme von den Grenzsicherungsanlagen. Der junge Mann wird ins Stasi-Gefängnis nach Hohenschönhausen gebracht und der Spionage verdächtigt. Sechs Wochen muss er in der Haft verbringen. Als im Vorfeld des Honecker-Besuchs in der Bundesrepublik eine Amnestie für politische Gefangene erlassen wird, kommt auch Matthes frei. Er stellt einen Ausreiseantrag. Ein halbes Jahr später kann er nach Westberlin übersiedeln – wo er immer schon hinwollte und heute noch lebt.

20 Jahre nach dem Mauerfall suchte Matthes jetzt einige der Orte, an denen er damals die Mauer fotografierte, noch einmal auf. Er fügte somit dem Dokument des Verbotenen das Dokument der Veränderung hinzu. sc

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