Politik : Frankreich: Korruptionsvorwürfe gegen Chirac wegen Immobiliengeschäfts

Sabine Heimgärtner

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac ist offenbar in einen neuen Skandal verwickelt. Nach dem Parteispendenskandal und der Affäre um bar bezahlte Privatreisen der Chirac-Familie im Wert von 3,1 Millionen Francs, rund 940 000 Mark, geht es nun um ein unlauteres Immobiliengeschäft. Die französische Presse berichtete am Dienstag über ein fünf Hektar großes Grundstück in der Ortschaft Sarran (Correze), das unmittelbar an Chiracs 1969 erworbenes Landschlösschen Bity angrenzt.

Chirac soll sich 1977 bei der Stiftung Claude Pompidou, deren Schatzmeister er damals war, dafür eingesetzt haben, dass diese das Gelände kauft, um dort später ein Altenheim zu bauen. Finanziert werden sollte die Anschaffung in Höhe von 500 000 Francs (etwa 150 000 Mark) mit Hilfe von Spenden. Recherchen der Wochenzeitung "Le Canard enchainé" ergaben, dass der Kauf 1978 zwar erfolgte, aber niemals Spenden flossen. Die Gelder brachte die Stiftung laut Zeitungsberichten über Zuschüsse des Pariser Rathauses auf. Die kommunalen Zuwendungen an die Stiftung sollen 1979 zu diesem Zweck auf 500 000 Francs im Jahr verdoppelt worden sein - damals war Chirac Bürgermeister von Paris.

Die neuen Enthüllungen könnten Chirac im Vorwahlkampf in noch größere Bedrängnis bringen, denn das Gelände ist nach wie vor Brachland. Laut Presse war der Grundstücksdeal vor 23 Jahren eine Gefälligkeit an den konservativen Politiker, der auf seinem dörflichen Landsitz ungestört bleiben und Plänen zuvorkommen wollte, wonach in unmittelbarer Nähe seines Besitzes ein Wasserwerk gebaut werden sollte. Zu den neuesten Korruptionsvorwürfen gegen Chirac wollte sich der Elysée-Palast am Dienstag nicht äußern.

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