Politik : Friedensverhandlungen in Kolumbien: Der Präsident braucht die Rebellen

Jens Holst

Ernste Verhandlungen oder vorgezogener Wahlkampf? Präsident Andres Pastrana und die "Fuerzas Revolucionarias de Colombia" (Farc), die größte und älteste Guerillabewegung des Landes, einigen sich auf die Fortsetzung erweiterter Friedensverhandlungen.

Seit zweieinhalb Jahren bemüht sich Bogota um eine Lösung des 40-jährigen Bürgerkriegs zwischen Guerilla und Armee. Zuletzt hatte sich der Konflikt durch die mächtige Drogenmafia und durch paramilitärische Söldnerverbände verschärft. Nun ist erneut ein kleiner Hoffnungsschimmer am insgesamt düsteren kolumbianischen Himmel zu erkennen. An diesem Mittwoch sollen nach dreimonatiger Unterbrechung die Verhandlungen zwischen Regierung und Guerilla wieder aufgenommen werden. Darauf einigten sich letzte Woche Präsident Pastrana und Farc-Chef Manuel Marulanda.

Als Voraussetzung für die Aufnahme von Friedensgesprächen hatte der ehrgeizige Pastrana vor zwei Jahren ein Gebiet von der Größe der Schweiz für die Guerilla räumen lassen. Nun reiste er erneut in die Region, um gemeinsam mit Marulanda den Dialog in Gang zu bringen. Im November hatten die Farc die Gespräche mit dem Vorwurf unterbrochen, die Regierung unternehme nicht genug gegen die paramilitärischen Gruppen. Mit Unterstützung von Armee, Drogenmafia und Großgrundbesitzern entstanden in den letzten Jahren ultrarechte Söldnerverbände, die heute auf 8000 Mitglieder geschätzt werden. Die Paramilitärs terrorisieren die Bevölkerung besonders in den Gebieten mit starker Guerillapräsenz und erledigen den schmutzigen Teil des Bürgerkriegs.

Ein zusätzliches Problem für die Friedensverhandlungen warf der im In- und Ausland umstrittene Plan Colombia auf. Ende letzten Jahres sagten die USA dem südamerikanischen Land Militärhilfe im Umfang von 1,3 Milliarden Dollar zu. Nach offizieller Lesart sind diese Mittel für die Drogenvernichtung bestimmt. Nach nordamerikanischer Auffassung ist dies aber der Aufstandsbekämpfung verbunden, wie die starke Betonung der militärtechnologischen Aufrüstung zeigt. Schließlich kontrollieren die Farc mit ihren 15 000 Kämpfern weite Teile des kolumbianischen Amazonasbeckens mit ausgedehnten Kokaanbauflächen. Zurückhaltend äußert sich bisher die neue US-Regierung. Verteidigungsminister Rumsfeld betonte, seine Truppen nähmen nur gelegentlich Beratungsaufgaben wahr. Die US-Regierung setzt zwar die Giftsprühaktionen gegen Koka- und Mohnpflanzungen fort, finanziert aber gleichzeitig ein größeres Drogensubstitutionsprogramm in Kolumbien.

Pastrana braucht dringend Erfolge, ein Scheitern der Verhandlungen mit den Farc wäre fatal: "Wir laufen Gefahr, dass der nächste Präsident mit einem Kriegsmandat antreten wird." In eineinhalb Jahren stehen in Kolumbien Präsidentschaftswahlen an.

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