Friedrich Karl Flick : Der die Republik verkaufte

Die "Flick-Affäre" erschütterte Anfang der 80er Jahre das Vertrauen in die deutsche Demokratie. Nun ist der Pate eines der größten deutschen Politik-Skandale in Wien gestorben.

München - Als Friedrich Karl Flick 1927 in Berlin auf die Welt kam, erblühte gerade der Ruf der Flicks als eine der großen Industriellenfamilien Deutschlands. Nun beim Tod des 79-Jährigen am Donnerstag steht der Name Flick auch für düstere Kapitel der deutschen Geschichte: Der Vater war ein williger Mitspieler der Nazis, er selbst löste einen der größten politischen Skandale der Bundesrepublik aus. Die "Flick-Affäre" erschütterte Anfang der 80er Jahre das Vertrauen in die deutsche Demokratie. Für "FKF", so sein Kürzel, begann damit der Abschied aus der Öffentlichkeit. Nur sein unvorstellbares Vermögen sorgte immer wieder für Schlagzeilen: Angeblich 6,8 Milliarden Euro hinterlässt er seinen Erben.

Den größten Teil seines Reichtums hatte Friedrich Karl Flick seinem Vater zu verdanken: Nach dessen Entnazifizierung - Friedrich Flick musste drei Jahre einer zehnjährigen Gefängnisstrafe absitzen - hatte dieser auch durch politische Mithilfe rasch wieder Fuß gefasst und das größte Industrie-Imperium in privater Hand aufgebaut. Als der Patron 1972 starb, erbte "FKF" große Anteile unter anderem an Daimler-Benz und dem Versicherer Gerling.

1961 alleiniger Gesellschafter

Im Familien-Konzern spielte der am 3. Februar 1927 geborene jüngste Sohn da bereits eine herausragende Rolle: Nach dem Studium zum Diplom-Kaufmann arbeitete er in den Betrieben der Familie mit, parallel legte Flick 1965 seine Doktorarbeit ab. Mit seinem älteren Bruder Otto Ernst - der dritte Bruder Rudolf war im Krieg gefallen - teilte sich Flick zunächst die Konzernaufgaben. Während Otto Ernst die Stahlfirmen betreute, übernahm er den Fahrzeugbereich sowie die Sparten Papier und Chemie. Nach einem Streit des Vaters mit Otto Ernst wurde der jüngste Sohn 1961 zum alleinigen Gesellschafter.

"FKF" hatte zwar immer den Ruf, in seiner Begabung dem Vater weit unterlegen und eher ein Lebemann zu sein. Für den spektakulärsten Coup in der Familien-Vita sorgte aber dennoch er: Zusammen mit seinem Manager Eberhard von Brauchitsch tüftelte er an Weihnachten 1974 in St. Moritz das Geschäft aus, das schließlich zur Parteispendenaffäre führte. Für 1,9 Milliarden Mark verkaufte Flick seine Anteile an Daimler an die Deutsche Bank. Durch eine Genehmigung des Wirtschaftsministeriums musste Flick für die dabei erzielten Gewinne keine Steuern zahlen.

Der Deal hatte von Anfang an einen üblen Beigeschmack - bestätigt fühlten sich die Kritiker im Jahr 1981. Da wurde bekannt, dass Flick am Finanzamt vorbei CDU und CSU 15 Millionen Mark, der FDP 6,5 Millionen Mark und der SPD 4,3 Millionen Mark gespendet hatte. "Die verkaufte Republik" titelten die Zeitungen. Als einer der Empfänger von Barspenden musste Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) den Hut nehmen. Der ebenfalls belastete Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) kam ungeschoren davon: Er machte vor Gericht und im Bundestags-Untersuchungsausschuss Erinnerungslücken geltend. Von Brauchitsch sagte, Flick habe das Geld "zur Pflege der politischen Landschaft" gezahlt.

Rückzug aus dem Wirtschaftsleben

Flick selbst zog sich kurz nach dem Skandal aus dem Wirtschaftsleben zurück. Für 5,36 Milliarden Mark verkaufte er 1985 den Rest seiner Firmen an die Deutsche Bank - erneut mit einer Steuerbegünstigung. Statt vorher mehr als 43.000 Mitarbeiter im Konzern arbeiteten von da an für den damals reichsten Deutschen nur noch gut hundert Menschen, vor allem Köche, Chauffeure, Leibwächter und Sekretärinnen.

1994, vier Jahre nach der Hochzeit mit seiner 34 Jahre jüngeren dritten Frau Ingrid, zog Flick nach Österreich. Seitdem machte er vor allem privat Schlagzeilen, sei es durch gesundheitliche Probleme oder durch barocke Jagdausflüge. Die in den vergangenen Jahren in Zusammenhang mit der Einrichtung des NS-Zwangsarbeiterfonds geführte neue Debatte um die Verantwortung der Flicks ließ er ohne Regung an sich abperlen: Er verweigerte sich einer Beteiligung an dem Fonds, obwohl zur Nazi-Zeit in den Familien-Betrieben zehntausende Menschen versklavt worden waren.

Flick hinterlässt vier Kinder: Die erwachsenen Töchter Alexandra und Elizabeth aus seiner zweiten Ehe, sowie die sieben Jahre alten Zwillinge Victoria-Katharina und Karl Friedrich aus seiner letzten Ehe. Die Familie war am Sterbebett des Patrons. (Von Ralf Isermann, AFP)

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