Politik : Fritz Zimmermann: Der Ex-Innenminister wird 75 Jahre alt

Rolf Linkenheil

Er zählte neben Franz Josef Strauß zu den CSU-Politikern, denen fast alle alles zutrauten. Einiges hat er in der Tat bewegt. Als er von der Bühne abtrat, vergaß die CSU, ihn zum Parteitag einzuladen. Am 18. Juli wird Fritz Zimmermann fünfundsiebzig. Es gibt keine Beschreibung des Politikers Zimmermann, in der nicht der Vorgang erwähnt würde, der ihm seinen Spitznamen "Old Schwurhand" eintrug. 1960 ging es der CSU darum, die 1957 wiedergewonnene Macht in Bayern nie mehr aus der Hand zu geben, was ihr bekanntlich gelungen ist. Ob es ein "Komplott" war, wie die Betroffenen und einige Medien behaupteten, ist längst unerheblich. Was bleibt, ist die Tatsache, dass der damalige CSU-Generalsekretär Fritz Zimmermann im "Spielbankenprozess" einen Meineid schwor. Die führenden Politiker der "Bayernpartei" wurden schuldig gesprochen, Spielbanklizenzen gegen Bares vergeben zu haben. Die einzige Konkurrenz, vor der die CSU sich fürchtete, war kurz darauf erledigt. Zimmermanns Karriere aber begann erst richtig. Zunächst wegen fahrlässigen Falscheides verurteilt, brachte er ein Gutachten bei, das ihm vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit beim Schwören bescheinigte. Er war gerettet. Er galt als gerissener Hund, der in der CSU alles wusste. 1972 wählte ihn die CSU-Landesgruppe im Bundestag zu ihrem stellvertretenden, 1976 zu ihrem Vorsitzenden.

Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition wurde Zimmermann Bundesinnenminister. Er setzte das Vermummungsverbot und die Kronzeugenregelung durch. Auf dem Feld des Umweltschutzes überraschte der oft als harter "Law-and-Order-Mann" Angegriffene mit einer europäischen Vorreiterrolle bei der Einführung schadstoffarmer Autos und bleifreien Benzins. 1989 musste er sein Amt an Wolfgang Schäuble abgeben. Kanzler Kohl machte ihn zum Verkehrsminister. Sein Vorstoß, von ausländischen LKWs Gebühren auf deutschen Autobahnen zu verlangen, ging ins Leere, wird aber immer wieder aufgegriffen. 1989 stellte die CSU den Münchner Kaufmannssohn und promovierten Juristen, der schon 1948 in die Partei eingetreten war, in seinem Wahlkreis Landshut nicht mehr auf. Er sei zu oft abwesend, hieß die Begründung.

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