Politik : Frühaufsteher

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Spidla war vor seinem Wahlsieg meist nur durch unpassende Kleidung aufgefallen. Der Vizepremier und Minister für Arbeit und Soziales galt als fachlich hoch qualifiziert, als fleißig, aber als Langweiler. Er raucht nicht, säuft nicht, redet leise, liefert keine flotten Sprüche ab, hat nicht den Hauch irgendeines Skandals am Hals. Schon morgens um sechs Uhr, heißt es, treibt er Sport oder seine Mitarbeiter zu ersten Arbeitssitzungen zusammen. Der neue Premier ist als Sohn eines Theatermannes und einer Marxismus-Dozentin in Pilsen und Prag aufgewachsen. Später hat er in Prag Geschichte und Prähistorie studiert. Politisch war er nie organisiert, und schlug sich als Mühlen-, Lager- und Molkerei-Arbeiter durch. Aus der Versenkung tauchte er erstmals 1979 auf, als er eine Umweltschutzvereinigung gründete. Und 1989 wurde er in der Gegend um Budweis, in der er mit Frau und zwei Söhnen bis heute lebt, zum Kristallisationspunkt des politischen Aufbruchs: Er rief per Zeitungsanzeige zur (Wieder-)Gründung der seit 1948 verbotenen Sozialdemokratischen Partei auf. 1998 trat er in die erste sozialdemokratische Regierung ein. pak

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