Führung der Linken : Gysi sehnt sich nach Lafontaine

Gregor Gysi denkt laut über eine Rückkehr von Oskar Lafontaine als Linken-Chef nach – und irritiert so seine Genossen. Aber es gibt auch positive Stimmen aus der Partei.

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War früher doch alles besser? Gregor Gysi (r.) denkt laut über ein Comeback von Oskar Lafontaine als Parteichef nach, obwohl Klaus Ernst (l.) den Posten (gemeinsam mit Gesine Lötzsch) eigentlich noch bis 2012 bekleiden soll.
War früher doch alles besser? Gregor Gysi (r.) denkt laut über ein Comeback von Oskar Lafontaine als Parteichef nach, obwohl Klaus...Foto: dapd

Berlin - Die Überraschung war Gregor Gysi sicher. Noch am Dienstag, vor der Sitzung der Linken-Bundestagsfraktion, hatte deren Chef die Linie noch einmal bekräftigt: Eine Personaldebatte nach dem Debakel bei den Landtagswahlen im Südwesten am vorvergangenen Sonntag sei „absolut schädlich“, sagte er. Um sie tags darauf, beim gemütlichen Pressefrühstück mit Croissants, Aufschnitt und Filterkaffee selbst loszutreten – und über eine Rückkehr von Oskar Lafontaine an die Parteispitze zu spekulieren. „Er hat im Augenblick nicht die Absicht. Aber er schließt es für Notsituationen nicht aus.“

Die recht vage Ansage brachte es bei der Nachrichtenagentur dpa zu einer Eilmeldung, von Lafontaines Genossen wurde sie wahlweise als Drohung oder als Zeichen der Hoffnung verstanden. Die Gerüchte über ein denkbares Lafontaine-Comeback hatte es seit der Wahlschlappe in Baden-Württemberg und Rheinland- Pfalz gegeben. Zum einen wird Lafontaine die Führungskraft zugetraut, die das jetzige Spitzenduo mit Gesine Lötzsch und Klaus Ernst nicht hat. Zum anderen hält sich der Saarländer – formal nur Vorsitzender der dortigen Landtagsfraktion – im Gespräch, um Konkurrenten um den Parteivorsitz wie etwa Ex-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch oder den thüringischen Landtagsfraktionschef Bodo Ramelow auszuschalten.

Wann es so weit sein könnte? Gysi wollte nicht sagen, was eine Notsituation sein könnte. Lafontaine selbst wollte die Äußerungen seines früheren Kompagnons – von 2005 bis 2009 waren beide Fraktionschefs – nicht kommentieren. Nach Tagesspiegel-Informationen hat Lafontaine gegenüber Parteifreunden signalisiert, dass die Bremen-Wahl im Mai für ihn eine wichtige Rolle spielt. Bremen ist das erste West-Landesparlament, in das die Linke eingezogen war – 2007, mit 8,4 Prozent. Bei der Bundestagswahl im September 2009 kam die Linke in Bremen auf 14,3 Prozent der Zweitstimmen, zuletzt lag sie in Umfragen bei sieben Prozent. Ein Absturz dort, so heißt es, könnte von Lafontaine als eine Notsituation verstanden werden, wie sie Gysi beschrieben hat. Offiziell läuft die Amtszeit von Ernst und Lötzsch bis zum Frühjahr 2012.

Während sich die Flügel zuletzt noch geeinigt hatten, dass eine Strategiedebatte jetzt vorrangig sei, teilten sich die Meinungen zur Lafontaine-Rückkehr rasch. Sie wäre ein „großer Gewinn“, erklärte Parteivize Sahra Wagenknecht via „Bild“-Zeitung. Ihre Anhänger handeln Wagenknecht schon als mögliche Co-Chefin neben Lafontaine – das damit verbundene Ende des Realo-Parteiflügels würden sie hinnehmen. Der linke Flügel hält es auch für denkbar, dass die Satzung geändert und Lafontaine allein Parteichef wird. Oder dass nur Ernst gestürzt wird und Lötzsch vorerst im Amt bleibt.

Die Reformer dagegen zeigen sich höchst irritiert. Ramelow sieht „überhaupt keine Notwendigkeit“ für eine Rückkehr Lafontaines. Steffen Bockhahn, Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, sagte dem Tagesspiegel: „Ich glaube nicht, dass Oskar Lafontaine die Lösung des Problems der Linken ist. Da geht es um mehr als einen Namen.“ Hans Modrow, Ex-Ehrenvorsitzender der PDS und Vorsitzender des Ältestenrates der Partei, wollte die Nachricht über ein mögliches Lafontaine-Comeback am Mittwoch erst mal gar nicht glauben. Jeder in der Partei solle auf Oskar als „klugen Ratgeber“ hören, um selbst weitsichtiger zu werden, sagte er dieser Zeitung. Eine mögliche Rückkehr Lafontaines aber will Modrow erst kommentieren, wenn dieser sich selbst dazu geäußert hat.

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