Politik : G-8-Gipfel: Die Bürger im Käfig

Ruth Reimertshofer

Einen Tag vor der Eröffnung des Gipfels hat sich das Klima in Genua weiter verschärft. In der Altstadt, in der 30 000 Menschen wie in einem Käfig eingesperrt sind, patrouillieren Panzerfahrzeuge der Polizei. Der italienische Premier Silvio Berlusconi brach am Donnerstag gegen Mittag zu seinem vierten und vorerst letzten Kontrollgang in der fassadenverschönerten Stadt auf. Am Nachmittag wollte er eine Delegation der 2000 internationalen Gewerkschafter empfangen, die in Genua seit Mittwoch ein Diskussionsforum über weltweite gewerkschaftliche Rechte abhalten. Außerdem war für den Nachmittag eine Demonstration für die Rechte der Immigranten im militarisierten Genua angekündigt.

Mit Sicherheitsübungen am Himmel und unter Wasser im Hafen bereiteten sich 20 000 Polizisten und Soldaten am Morgen auf den Ernstfall vor - eine Generalprobe für den Gipfel. Aus ganz Italien und Genua selbst gehen weiterhin Bombenmeldungen ein und schüren nach den am vergangenen Montag und Mittwoch explodierten Briefbomben ein Klima der Angst. Auch die Durchsuchung des Stadions Carlini in den frühen Morgenstunden am Mittwoch, wo der Großteil der militanten Demonstranten sein Hauptquartier aufgeschlagen hat, trug nicht zur Entspannung bei. Eine leichte Entschärfung brachte die Öffnung eines der beiden großen Bahnhöfe, die die Anreise der ersten Demonstranten für die kommenden heißen Tage ermöglichte. Tausende Demonstranten reisen derzeit aus Spanien, Frankreich, Deutschland und Griechenland in Bussen, Sonderzügen und sogar Schiffen an. An den Grenzen werden sie stundenlangen Kontrollen unterzogen. Einigen französischen und griechischen Demonstranten wurde die Einreise nach Italien untersagt.

Im Vorfeld der Proteste der nächsten Tage verhandeln Veranstalter und Polizei noch über die Austragungsorte der Demonstrationen: Die Polizei will den Gegnern des Gipfels nur abgelegenere Plätze in der gelben Zone zugestehen, während die Demonstranten ihren Protest ins Zentrum von Genua verlegen wollen, um eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Am Freitag wollen einige Gruppierungen den Angriff auf die rote Zone wagen.

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