• G7 und IWF: Privat vor Staat - Dritte Welt: Kapitalzuflüsse wachsen, Kreditnachfrage sinkt

Politik : G7 und IWF: Privat vor Staat - Dritte Welt: Kapitalzuflüsse wachsen, Kreditnachfrage sinkt

Der Zufluss von Privatkapital in die Entwicklungsländer schwillt kräftig an, und die Nachfrage nach Weltbankkrediten sinkt. Nach Berechnungen des Internationalen Finanz-Instituts werden in diesem Jahr 190 Milliarden Dollar aus privaten Quellen in Entwicklungs- und Schwellenländern investiert. Das seien 50 Milliarden mehr als 1999, heißt es in einer in Prag vorgestellten Studie des Instituts führender internationaler Banken. Im kommenden Jahr werde die Summe voraussichtlich auf 210 Milliarden Dollar steigen. Gleichzeitig halbierte sich die Nachfrage nach Krediten der Weltbank im letzten Wirtschaftsjahr (bis 30.4.2000) von 29 Milliarden auf 15,3 Milliarden Dollar. Das geht aus dem am Wochenende veröffentlichten Jahresbericht der Weltbank hervor. Die Auszahlungen gingen von 24 Milliarden Dollar auf 18,5 Milliarden zurück. Dies sei vor allem eine Folge der Erholung vieler Entwicklungs- und Schwellenländer, die nach den Krisenjahren wieder Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten gefunden hätten, heißt es in dem Bericht.

"Wir leben in einer Zeit steigender privater Kapitalzuflüsse bei gleichzeitiger Abwesenheit wesentlicher Nettozahlungen aus staatlichen Quellen", stellte der Geschäftsführer des Finanzinstituts, Charles Dallara, fest. Ausländische Direktinvestitionen spielten mit einem Volumen von etwa 125 Milliarden Dollar pro Jahr eine wesentliche Rolle bei der Stärkung vieler Entwicklungsländer.

Nach Jahren knapper Kassen wegen riesiger Kreditprogramme für die Krisenländer in Asien, Osteuropa und Lateinamerika verfügen der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank wieder über reichliche Reserven. Das einsetzbare Kapital des IWF liegt derzeit auf dem höchsten Stand seiner Geschichte. Der IWF verfügt laut jüngstem Jahresbericht über 103 Milliarden Dollar. Auf dem Höhepunkt der Krisen im Oktober 1998 waren es nur noch 26 Milliarden gewesen. Während damals das Verhältnis zwischen verfügbarem und ausgeliehenem Kapital auf 30 Prozent gefallen war, beträgt es nun 178 Prozent.

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