Politik : Ganz oben

Der steile Aufstieg der Berliner Humboldt-Universität

Uwe Schlicht

Beim Thema Elite wird derzeit auffällig oft die Berliner Humboldt-Universität genannt. Der Göttinger Philosophieprofessor und frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) hat sich bereits für deren Umwandlung in eine Elite-Hochschule nach US-Vorbild ausgesprochen. Tatsächlich gehört die Humboldt-Universität heute zu den besten Hochschulen im Lande. Das Ziel des ehemaligen Berliner Wissenschaftssenators Manfred Erhardt, an die Tradition der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Zeiten des Kaiserreichs und der Weimarer Republik anzuknüpfen, ist gelungen.

Zwar hat die Humboldt-Universität der Galerie der 29 Nobelpreisträger der früheren Friedrich-Wilhelms-Universität keinen neuen Nobelpreisträger hinzufügen können, doch in Ranglisten gilt die Hochschule als Aufsteiger. Nach der Wende stufte sie die Deutsche Forschungsgemeinschaft auf Position 29 ein; 2001 belegte sie unter 80 deutschen Universitäten bereits Rang neun. In der Forschung wurde die Berliner Uni in dem Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) 2003 hinter der Ludwig-Maximilians-Universität in München sogar auf den zweiten Rang gesetzt.

Die Ausstattung der Humboldt-Universität kann den Anforderungen einer Eliteuniversität indes kaum gerecht werden. Während Spitzenuniversitäten in den USA über einen Jahresetat von 1,2 Milliarden Dollar verfügen, muss sich die Wissenschaft in Berlin Mitte mit 369 Millionen Euro begnügen. „Natürlich gehören wir zu den herausragenden Universitäten in Deutschland. Aber ein Vergleich mit Harvard, Princeton oder Stanford verbietet sich“, sagt Vizepräsident Heinz-Elmar Tenorth. 20 Studenten kommen an der Berliner Hochschule auf einen Wissenschaftler, an amerikanischen Spitzenunis sind es nur fünf. „Die Berliner Politiker tun alles, um zu verhindern, dass wir so gut werden, wie wir es sein könnten“, kommentiert Tenorth.

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