Politik : Ganz offen

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Lieber Herr Berlusconi, Entschuldigung, aber wir wollen Sie an dieser Stelle einfach vor einem Missverständnis warnen und sind auch zuversichtlich, dass das nicht zu weiteren Missverständnissen führt. Bei Ihrem Humor! Also ein kleiner Hinweis, von Ironiker zu Ironiker quasi. Sie hatten ja neulich vor dem EU-Parlament freundlicherweise darauf hingewiesen, dass da bei Ihnen in Italien gerade so ein Film gedreht wird, über Nazis und KZs und so. Offenbar fehlen Ihnen dafür noch ein paar Darsteller, weshalb Sie am Mittwoch dem nächstbesten Deutschen – in diesem Falle einem SPD-Abgeordneten – eine Rolle als Aufseher schmackhaft machen wollten. Das war in Zeiten des Arbeitsplatzmangels sicher nur nett gemeint, weshalb eine Entschuldigung wirklich übertrieben wäre.

Jetzt aber kommt das vielleicht Verwirrende für Sie. In den kommenden Tagen und Wochen werden wieder ganz viele Deutsche bei Ihnen vorbeischauen. Auch Kanzler Schröder (Nähe von Rimini), Innenminister Schily (Nähe von seinem Haus) und Außenminister Fischer (Nähe von Schily) wollen ihren Sommerurlaub in Italien verbringen. Eigentlich kommen fast alle – außer Edelgard Bulmahn, die sich in ihrem Ferienhaus in Minden wieder mit ihren vernachlässigten Katzen Flusi und Waldorf anfreunden will, wie sie sagt. Sie, Herr Berlusconi, sollten sich angesichts dieses Ansturms von Deutschen aber bitte keine falschen Hoffnungen machen. Keiner der eben genannten Herren hat eine Ausbildung als Schauspieler. Keiner sucht einen neuen Job. Keiner hat Interesse an ihrem Casting. Sie kommen einfach so, weil Italien ein wunderschönes Land ist, woran auch Sie bisher nicht allzu viel geändert haben.

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