Politik : Gefahr aus der Ferne

Im Fall eines Irak-Krieges werden Helfer aus Afghanistan abgezogen

Ulrike Scheffer

Afghanistan bereitet sich auf einen neuen Krieg vor. Auf den Krieg gegen den Irak. Der drohende Waffengang könnte nicht nur den Wiederaufbau zurückwerfen, er gibt auch extremistischen Gruppen Auftrieb. „Wenn es im Irak knallt, werden wir unsere Mitarbeiter aus Afghanistan abziehen“, sagte der Geschäftsführer der Hilfsorganisation Oxfam, Paul Bendix, dem Tagesspiegel. Alle westlichen Helfer würden in diesem Fall wohl ihre Arbeit erst einmal unterbrechen, sagte Bendix weiter. Die Projekte könnten zwar von lokalen Mitarbeitern weitergeführt werden, auf den Rat der ausländischen Experten müssten diese dann jedoch verzichten.

Die zuständige Programmleiterin von „Ärzte ohne Grenzen“, Josje Reinartz, hält Ausländer schon jetzt für gefährdet. Im Osten Afghanistans habe es bereits antiamerikanische Demonstrationen gegeben. Auch die jüngsten schweren Kämpfe zwischen US-Truppen und Rebellen deuteten auf wachsenden Widerstand gegen die USA hin. Bei den Kämpfen waren am Dienstag 18 Rebellen getötet worden. Die USA vermuten, dass sie Anhänger des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatyar waren, der einen „Heiligen Krieg geben die Besatzer“ ausgerufen hat. Hier könnten Helfer schnell zwischen die Fronten geraten, glaubt Reinartz. „Und durch einen Krieg gegen den Irak wird sich die Sicherheitssituation weiter verschärfen“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Nach Ansicht der Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses des Bundestages, Christa Nickels (Grüne), machen vor allem in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion Extremisten Stimmung gegen den Westen. „Da wird blanker Hass geschürt“, sagte Nickels nach ihrer Rückkehr von einer Afghanistan-Reise. Sie erwartet eine „Fundamentalisierungswelle“ in Afghanistan, wenn es zu einem Angriff auf den Irak kommt.

Doch auch im relativ sicheren Kabul sind die Spannungen zu spüren. Die Bundeswehr verschärfte in dieser Woche die Sicherheitsvorkehrungen für die deutschen Soldaten der Isaf-Schutztruppe. Sie sollen bis auf weiteres nur noch im Konvoi durch die Stadt fahren. Der Sprecher des deutschen Kontingents, Major Günther Bender, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, es gebe Gerüchte, dass Soldaten entführt werden sollten. Der Irak-Konflikt spiele bei der veränderten Sicherheitslage eine Rolle, fügte er hinzu. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, die afghanischen Behörden und befreundete Geheimdienste hätten Erkenntnisse über geplante Anschläge. Für Berlin kommt diese Nachricht zur Unzeit: Wenn Deutschland am 10. Februar gemeinsam mit den Niederlanden das Kommando der Isaf übernimmt, wird das deutsche Kontingent auf 2500 Soldaten verdoppelt.

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