Politik : Gefühltes Symbol

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Dieses Foto ist vor zwei Jahren entstanden, unmittelbar nach dem Anschlag auf das World Trade Center. Es stammt aus einem Bildband der berühmten Fotoagentur Magnum. Man könnte sagen: Es ist kitschig. Damals, als Schmerz und Trauer noch ganz frisch waren, hätte man das vielleicht nicht gesagt. Der 11. September war, als erstes, ein fast unerträglicher Schock. Ein Gefühlsereignis. Es gab die Bilderschleife, tagelang wiederholte das Fernsehen die Aufnahmen vom Aufprall der Flugzeuge in den beiden Türmen. Und es gab die ersten Versuche der Ästhetisierung und der Abstraktion – Bilder wie dieses. Sie sollten den Schmerz lindern. Dann, wenig später, wurde der Welt klar: Es ist eine historische Zäsur, der wahre Anfang des 21. Jahrhunderts. Und heute? Mit dem historischen Abstand verwandelt sich der 11. September von einem realen Ereignis allmählich in ein Symbol – für die neue Rolle der USA in der Welt, für die neuen Kriege und Konflikte, für ein neues Gefühl der Bedrohung. In dieser Ausgabe unserer Zeitung fragen wir danach, was der 11. September heute bedeutet und wie wir dieses Symbol verstehen, jetzt, wo die Erinnerung an den ersten Schock allmählich verblasst. Am Ground Zero beginnt bald der Neubau.

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