Politik : Geiseldrama auf Jolo: Libyen will mehr Lösegeld zahlen

Libyen ist bereit, für die zwölf auf der philippinischen Insel Jolo festgehaltenen westlichen Geiseln - unter ihnen die Göttinger Werner und Marc Wallert - je eine Million Dollar Lösegeld zu zahlen. Das teilten Unterhändler am Dienstag mit. Den Angaben zufolge scheiterte die für Samstag angekündigte Freilassung der Entführten daran, dass Libyen nur 700 000 Dollar (1,5 Millionen Mark) Lösegeld pro Person zahlen wollte. Libyen und die philippinische Regierung haben sich nach libyschen Angaben außerdem darauf geeinigt, eine Freilassung der Geiseln in zwei Gruppen zu akzeptieren.

Der philippinische Chefunterhändler Roberto Aventajado sagte, er habe eine neue Verhandlungsstrategie vorgeschlagen, die Libyen am Dienstag akzeptiert habe. Einzelheiten wollte er nicht mitteilen. Die philippinische Regierung werde aber weiter versuchen, alle Geiseln gleichzeitig freizubekommen. Ein Mitarbeiter des libyschen Unterhändlers Radschab Assaruk teilte mit, Aventajado und Assaruk würden "spätestens am Freitag, möglicherweise auch früher" wieder nach Jolo reisen. Die philippinische Regierung gab bekannt, bereits den Unterhändler Farouk Hussein auf das Eiland entsandt zu haben, um die Reise der beiden Unterhändler vorzubereiten.

Ein Mitglied der libyschen Verhandlungsdelegation sagte, man werde einer Forderung der Entführer nachkommen. Die Abu Sayyaf will demnach zuerst die Frauen - eine Südafrikanerin und drei Französinnen - und später die Männer auf freien Fuß setzen. Die philippinische Regierung hat sich hingegen besorgt über das Schicksal der drei französischen Fernsehjournalisten geäußert, falls sie nicht zusammen mit den anderen 25 Gefangenen freikommen. Manila könne sich auf keinen Kompromiss einlassen, weil damit das Leben der drei Franzosen in Gefahr wäre, sagte ein Sprecher von Präsident Joseph Estrada in einem Fernsehinterview. Deshalb fordere die Regierung von der Abu-Sayyaf-Gruppe, alle ihre Geiseln bedingungslos und auf einmal freizulassen.

Die moslemischen Rebellen hatten am Samstag die angekündigte Freilassung ihrer Gefangenen abgesagt. Aus Furcht vor einer Militäraktion der philippinischen Armee will Abu Sayyaf die Geiseln nur in kleinen Gruppen gehen lassen. Die Regierung hatte bereits mehrfach Strafaktionen gegen die Rebellen angekündigt. Die drei Journalisten des französischen Fernsehsenders France 2 waren am 9. Juli verschleppt worden.

Auf der Insel Negro haben unterdessen kommunistische Untergrundkämpfer nach Medienberichten bei einem Überfall 17 Soldaten getötet und sechs weitere verletzt. Die Soldaten seien am Montag auf der Insel Negros durch eine Kokosnuss- Plantage gefahren, als sie von etwa 50 Rebellen der Kommunistengruppe NPA angegriffen worden seien. Ein Überlebender des Überfalls berichtete, die Untergrundkämpfer hätten Granaten geworfen und das Feuer auf die Soldaten eröffnet. Auf den Philippinen bekämpfen kommunistische Rebellen die Regierung bereits seit den 60er Jahren. Dem Militär zufolge gibt es rund 11.000 kommunistische Untergrundkämpfer auf der Inselgruppe. Die NPA war im vergangenen Jahr aus Friedensgesprächen mit der Regierung ausgestiegen, nachdem der Senat die Wiederaufnahme gemeinsamer Militärübungen der Philippinen mit den USA gebilligt hatte.

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