Politik : Geiseldrama auf Jolo: Renate Wallert ist endlich frei

Knapp drei Monate nach ihrer Entführung von der malaysischen Insel Sipadan ist die deutsche Geisel Renate Wallert wieder frei. Beauftragte der philippinischen Regierung brachten die geschwächte Frau am Montag aus dem Lager der Abu-Sayyaf-Entführer auf der Insel Jolo in ein nahe gelegenes Dorf. Dort wurde sie von Chefunterhändler Robert Aventajado empfangen. Die 56-jährige trat noch am Montag die Heimreise nach Deutschland an.

Ihr ebenfalls verschleppter Mann Werner und Sohn Marc blieben mit 16 weiteren Leidensgenossen weiter in der Hand der Kidnapper auf der Insel Jolo. Nach Angaben aus Kreisen der Vermittler flossen für die Freilassung der Göttinger Musiklehrerin umgerechnet knapp zwei Millionen Mark Lösegeld. Außenminister Joschka Fischer sagte auf entsprechende Fragen nur knapp: "Kein Kommentar". Ein Vertreter des Auswärtigen Amtes äußerte gegenüber dem Tagesspiegel, man wolle sich erst auf die Freilassung der übrigen Geiseln konzentrieren, danach könne man über die Details öffentlich reden.

"Endlich haben wir Frau Wallert wieder bei uns", sagte der philippinische Unterhändler Aventajado, als er die Freigelassene mit einer herzlichen Umarmung begrüßte. Die schmerzgebeugte und mit langsamen Schritten gehende Wallert brach in Tränen aus, als sie von Aventajado in den Arm genommen wurde. Sie trug ein islamisches Kopftuch, leichte Hosen und Gummisandalen. Sie dankte allen, die für sie und ihre Familie gebetet hätten. "Es ist angekommen, und ich bin wieder ganz gesund geworden."

Ursprünglich habe sie nicht ohne ihren Mann Werner und ihren Sohn Marc gehen wollen, zumal am Montag der 34. Hochzeitstag des Ehepaares gewesen sei. Mit einem Schützenpanzer wurde die Frau zunächst in die Inselhauptstadt Jolo gebracht. Von dort flog sie an Bord eines Hubschraubers nach Zamboanga, wo sie in ein Flugzeug nach Manila umstieg. Nach einer medizinischen Untersuchung trat sie dann an Bord einer Lufthansa-Maschine die Heimreise nach Frankfurt an.

Renate Wallert hatte mit am stärksten unter der Gefangenschaft gelitten. Immer wieder hatte sie Nervenzusammenbrüche. Ärzte stellten bei ihr Bluthochdruck und chronische Angststörungen fest. Vor einer Woche hatte ihre Ehemann in einem dramatischen Brief die Regierung in Manila angefleht, das von den Geiselnehmern geforderte Lösegeld von umgerechnet etwa 1,9 Millionen Mark zu zahlen. Aus dem Umfeld des philippinischen Präsidenten verlautete derweil, das mit der Freilassung von vier weiteren westlichen Geiseln noch vor dem 24. Juli zu rechnen sei. Für diesen Tag ist eine Regierungserklärung von Präsident Joseph Estrada geplant.

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